Bühne 69 lässt Agatha Christie selbst ermitteln.

Kamp-Lintfort : Publikum feiert Agatha-Christie-Krimi

Die Zuschauer waren begeistert. Die „Bühne 69“ brachte das Stück „Agatha Christies Hobby ist Mord“ auf die Bühne. Am kommenden Wochenende gibt das Amateurtheater drei weitere Vorstellungen.

Als der letzte Vorhang fällt, hält es 200 Zuschauer nicht mehr auf den Sitzen. Sie springen auf und klatschen minutenlang begeistert. Einige riefen sogar Zugabe, obwohl es so etwas im Theater nicht gibt. Erst nachdem die sechs Schauspieler Blumensträuße erhalten hatten, ließen die Zuschauer langsam ihren Applaus abklingen. So ging am Freitagabend eine gelungene Premiere des Kamp-Lintforter Amateurtheaters „Bühne 69“ zu Ende, das die Kriminalkomödie „Agatha Christies Hobby ist Mord“ auf die Bühne gebracht hatte. Darin ermittelt nicht Hercule Poirot, wie in den meisten der 66 Kriminalromane von Agatha Christie, sondern die Krimiautorin selbst. Wie in ihrem ersten Krimi von 1920, „The mysterious affair at Styles“ („Das geheimnisvolle Verbrechen in Styles“) stirbt jemand durch Gift, allerdings nicht durch Strychnin, sondern durch „Blauen Eisenhut“. Wie in einem ihrer bekanntesten Krimis von 1934, „Murder on the Orient Express“ („Der Mord im Orient Express“), sind alle gleich verdächtig, den Schauspieler Stanley West in einem Theater ermordet zu haben.

Ist es die junge, schüchterne Inspizientin Denice Ridley (Katja Kapluck), die nicht nur Licht- und Bühnentechnik koordiniert, sondern auch eine Liebesbeziehung zu Stanley West unterhielt? Ist es die Schauspielerin Sylvia West (Annette Karentzos), die von den amourösen Abenteuern ihres Mannes wusste und ihn jahrelang mit dem Theaterdirektor Edward Cassell betrog? Ist es dieser Theaterdirektor (Andreas Stieffenhofer), der gleichzeitig Regisseur ist (wie Andreas Stieffenhofer) und sich Sylvia West als Ehefrau an seiner Seite wünscht? Oder ist es Molly Preston (Uschi Brücker), die Garderobiere, Visagistin sowie Friseurin von Sylvia und Stanley West ist, aber beide hasst, da sie von ihnen verachtend behandelt wird? Am Ende klärt Agatha Christie (Inge Grenzdörfer), die zur Lösung des Falls vom Theaterdirektor zu Hilfe gerufen wird, das Verbrechen mit einer trickreichen Finte, die an den Krimi „Death on the Nile“ (Tod auf dem Nil) von 1937 erinnert. Im Unterschied zu Agatha Christie hat Florian Battermann als Autor des Stückes immer wieder Gags eingebaut, besonders wenn die versteckten Liebesbeziehungen zwischen den Akteuren langsam ans Tageslicht kommen. An diesen Stellen heimsten die Schauspieler Szenenapplaus ein. Dabei ist der neue Spielort ein Glücksfall. Die Aula der Mittelschule wurde 1928 gebaut und passt stilistisch zu dem Stück, das im Jahr 1958 in einem kleinen Theater im Londoner Westend spielt. Allerdings bietet sie nur 200 Zuschauern Platz, anders als die Stadthalle 680, die sich seit Juli 2018 im Umbau befindet. Deshalb erhöhte die Bühne 69 die Zahl der Aufführungen ihres Herbststückes von vier auf sechs. Die Bühne 69 gibt die Kriminalkomödie „Agatha Christies Hobby ist Mord“ drei weitere Male: Freitag, 28. September, 20 Uhr, Samstag, 29. September, 20 Uhr, und Sonntag, 30. September. Sie spielt das Stück in der Aula der Janusz-Korczak-Schule (ursprünglich Mittelschule, zuletzt Niederrheinschule) an der Friedrich-Heinrich-Allee 24 (gegenüber der Hochschule) in Kamp-Lintfort.

Der Eintrittspreis beträgt zwölf Euro. Karten sind erhältlich im Kaffeehaus der Bäckerei Holland, Moerser Straße 57, und online unter www.buehne69.de/tickets-online.html. Dazu hält die Bühne 69 bei jeder Vorstellung einige Karten für die Abendkasse zurück.

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