Kindertheater in Kamp-Lintfort Bühne 69 spielt erstmals König Drosselbart

Kamp-Lintfort · Das Kamp-Lintforter Amateurtheater feierte mit einer Doppelvorstellung Premiere von Grimms Märchen „König Drosselbart“. Die Kinder ab fünf Jahren mit ihren Erwachsenen erfreuten sich am Stück und an der Inszenierung. Wann die nächsten Vorstellungen sind.

 Die nächsten Vorstellungen des neuen Kinderstücks der Bühne 69 sind im Januar.

Die nächsten Vorstellungen des neuen Kinderstücks der Bühne 69 sind im Januar.

Foto: Norbert Prümen

Grimm oder Grips hieß es noch in den 1970er Jahren, wenn es um die programmatische Ausrichtung von Kinder- und Jugendtheatern in Deutschland ging. Grimm stand als ein Synonym für verklärende Kinder- und Hausmärchen, Grips dagegen für sozialkritisches Theater der 68er-Generation. Hinter Grimm verbergen sich die Sprachwissenschaftler, Volkskundler und Märchensammler Jacob und Wilhelm Grimm, mit Grips nimmt man Bezug auf das emanzipative Kinder- und Jugendtheater GRIPS aus Berlin.

Heute stehen sich beide Kindertheaterausrichtungen nicht mehr polarisierend gegenüber. Denn auch einige Grimm‘sche Märchen haben Aufklärungscharakter: Am Anfang des Märchens stehen meist Probleme oder menschliche Nöte, die gelöst werden müssen. Von daher kommt es häufig vor, dass sich ein Held oder eine Heldin auf Wanderschaft begibt und dabei Prüfungen bestehen oder einen Kampf gewinnen muss. Auch das Grimm’sche Märchen vom „König Drosselbart“, für das sich die „Bühne 69“ entschieden hat, es nun erstmals auf die Bühne zu bringen, ist formal ähnlich gestrickt und inhaltlich aufklärerisch ambitioniert.

Es geht darin um den Hochmut einer Prinzessin und die Lebensklugheit des Titelhelden. Jene zutiefst gegensätzlichen Attribute beider Protagonisten sind ein Thema des „Drosselbart“-Märchens. Ein anderes ist das Selbstbestimmungsrecht der Frau – hier der Prizessin; und wieder ein anderes beschäftigt sich mit Wohlstand und Armut. Außerdem will das Märchen soziale Ungleichheit thematisieren. Kaum zu glauben, dass all das über Macht und Moral im Privaten wie in Gesellschaft in diesem Märchen steckt.

Geschickt und gekonnt hat Peter Vogelsang als Dramaturg und Regisseur das Grimm‘sche Original von 1812 in eine unterhaltsame spielbare Fassung gebracht. So blieb es nicht aus, der Versuchung zu widerstehen, gelegentlich auch textlichen Schabernack im Spiel unterzubringen wie zum Beispiel bei den Hochzeitsfreiern auch einen „Bundeskanzler“ einzufügen oder den legendären Satz von Peer Steinbrück „Hätte, hätte Fahrradkette“ an anderer Stelle zu zitieren. Doch alles bleibt im sprachlichen Rahmen und wurde kein Klamauk.

Inszeniert hat Vogelsang das Stück in neun Bildern, das, wie in der antiken Tragödie durch einen Chor – hier durch Felix, den Erzähler der Geschichte und gleichsam unbändiger Motor, das junge Publikum zum Mitmachen bis Mitspielen zu animieren – unterbrochen, von der Bühne szenisch erzählt wird.

Den Erzähler und Publikumsanimateur verkörpert der Regisseur selbst. Als Besetzung seiner neun Spielfiguren kommt er mit ebenso vielen Darstellerinnen und Darstellern aus. Das Bühnenbild wiederum besteht aus zwei Seitengassen und hat eine Leinwand an seiner Rückseite, die für Rückprojektionen der Szenenbilder genutzt wird, wie zum Beispiel die Außenansicht des Schlosses, der Wald, die Wiesen und das Schloss von Drosselbart und der Speisesaal im Schloss. Teils sind die Projektionen so realistisch als Bühnenbild daherkommend, dass man meint, man könne das Essen, das in der Küche zubereitet wird, sogar riechen. Schön anzusehen und liebevoll geschneidert sind auch die Kostüme. Ansonsten reichen ein paar wenige Requisiten, um die Handlungsorte atmosphärisch auszuschmücken.

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