Betriebsräte aus Kamp-Lintfort treffen sich regelmäßig

KAMP-LINTFORT : Der Bergbau geht, der Zusammenhalt bleibt

Seit 1990 treffen sich 20 ehemalige Betriebsräte einmal im Monat. Sie sprechen über aktuelle Entwicklungen, etwa das Aus des vorletzten Bergwerkes am Samstag in Ibbenbüren, oder über frühere Zeiten.

Einen kleinen Rundweg haben die ehemaligen Betriebsräte des Bergwerkes „Friedrich Heinrich“ bei ihrem Treffen am Sonntag zurückgelegt. Angelegt wurde er von Fritz Raßmann, der als Jugendvertreter dem Betriebsrat des Kamp-Lintforter Bergwerks angehörte und heute in Ibbenbüren lebt, wo er Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie war. Der kleine Rundweg zur Bergbaugeschichte, der mit Pfeilen markiert ist, führt rund um sein Gartenhaus am Eyller Kendel.

Seit Sonntag ist dieser mit einem Sandstein komplettiert. Darauf ist ein Bergmann zu sehen, wie er untertage schwarzes Gold abbaut. „Am Freitag ist auf dem Bergwerk Anthrazit Ibbenbüren die letzte Kohle gefördert worden“, berichtete der 67-jährige Wahl-Ibbenbürener. „Jetzt fördert nur noch das Bergwerk Prosper Haniel in Bottrop Steinkohle. Dort läuft Ende 2018 die Förderung aus.“ Passend zum Ende des Steinkohlenbergbaus auf der vorletzten Zeche hatte er kleine Kohlestücke mitgebracht, die silbrig glänzten, als seien sie lackiert. „Sie stammen aus einer Tiefe von 1400 Metern, dem letzten Abbau im Ibbenbürener Beuthsfeld“, erläuterte er. „Auch wenn die Zechen schließen, ist es wichtig, die Tradition des Bergbaus weiter zu tragen.“

Das war auch der Grund gewesen, als sich 1990 vier Betriebsräte zusammensetzten, um den Freundeskreis der ehemaligen Betriebsräte des Bergwerkes „Friedrich Heinrich“ zu gründen. „Damals schieden viele Betriebsräte aus“, erzählte Martin Schröder, der neben Franz Flecken, Bernd Aanstoot und Willi Körner zu diesen vier Personen zählte. „Mit 50 Jahren haben wir uns Gedanken gemacht, was wir danach machen.“

Sie entschieden sich, sich im Sommerhalbjahr jeden zweiten Mittwoch im Monat zu treffen. Die Treffen bereitet jeweils ein Mitglied des Freundeskreises vor. Die ehemaligen Betriebsräte sprechen über aktuelle Entwicklungen im Bergbau, wie jetzt die Schließung der vorletzten Zeche, genauso wie über frühere Geschichten, zum Beispiel den Kampf für die Subventionierung des Steinkohlebergbaus in den 1980er und 1990er Jahren. Sie essen zusammen, trinken einen Bergmannsschnaps und singen das eine oder andere Bergmannslied.

Schnell wuchs der Kreis an, der heute aus 20 Personen besteht. Der jüngste ist mit 58 Jahren Ralf Borkenhäuser, der mit Reinhard Exner und Hans-Walter Henke den Vorstand des Freundeskreises der Kamp-Lintforter Betriebsräte bildet, der älteste ist Mathias Bongartz mit 92 Jahren. Im Winterhalbjahr kommen die Mitglieder zweimal zusammen, einmal im Oktober oder November zu einem gemeinsamen Essen, bei dem auch ihre Frauen mit dabei sind, und einmal im Januar, um das gemeinsame Programm für das neue Jahr zu besprechen.

„Auch wenn die Kohle weg ist, wird es uns weitergeben“, meinte Fritz Raßmann, bei dem sich die Bergleute diesmal ausnahmsweise nicht am zweiten Mittwoch im Monat trafen, sondern am dritten Sonntag.