Kamp-Lintfort: Besser leben und einkaufen im Gestfeld

Kamp-Lintfort : Besser leben und einkaufen im Gestfeld

Um die Nahversorgung im Gestfeld ist es schlecht bestellt. Die Stadt hat deshalb ein Handlungskonzept in Auftrag gegeben. Bis Juni 2017 sollen Ideen vorliegen, wie die Strukturen im Quartier verbessert werden können.

Einen großen Lebensmittelmarkt gibt es im Gestfeld seit vielen Jahren nicht mehr. Ein Bäcker und ein Friseur halten im Gestfeld-Center noch die Stellung. Wer seinen Wochenendeinkauf erledigen, Obst, Gemüse und Wurst einkaufen will, muss in die City oder in einen der anderen Kamp-Lintforter Stadtteile fahren. Das stellt viele Senioren, die nicht mehr mobil sind, vor Herausforderungen. "Sie müssen bis zum Krankenhaus laufen. Dort gibt es einen Aldi", erzählen Anwohner. Das weiß auch die Stadtverwaltung in Kamp-Lintfort und sucht nach Lösungen.

Das Gestfeld ist ein älter werdendes Quartier in Kamp-Lintfort. 1000 der insgesamt 4000 Bewohner sind älter als 65 Jahre. Im Oktober hatte die Stadt das Unternehmen Stadt + Handel Beckmann und Föhrer Stadtplaner Part GmbH beauftragt, bis Juni 2017 ein Handlungskonzept zu erstellen. Es soll aufzeigen und vorschlagen, wie die Nahversorgung der Bewohner und die Strukturen im Quartier künftig verbessert werden können. "Wir wollen nicht, dass der Stadtteil abgehängt wird", betont Sozialamtsleiter Franz-Josef Evers. In einem ersten Schritt fanden bereits telefonische Haushaltsbefragungen statt. "Es wurden 280 Haushalte angerufen. In den Gesprächen ging es beispielsweise um das Einkaufsverhalten, aber auch um die Wünsche der Bewohner für ihren Stadtteil", erklärt Sozialamtsmitarbeiterin Jeannette Fritz.

Dieses Projekt ist Teil einer vor Jahren gestarteten und groß angelegten Altenhilfeplanung in Kamp-Lintfort. Nachdem im Geisbruch ein Stadtteiltreff und in Kooperation mit dem Caritasverband das Quartiersbüro Mitte bereits entstanden sind, hat die Stadt jetzt das Gestfeld im Blick. Das Unternehmen Stadt + Handel wird in den nächsten Monaten untersuchen, was nötig ist, um die Lebensqualität im Stadtteil zu verbessen. "Es wäre schön, wenn wir am Ende eine zentrale Begegnungsstätte schaffen und etablieren könnten, in der sich die Bürger treffen, miteinander austauschen und gegenseitig helfen können", betont Jeannette Fritz.

Die Stadt würde über einen solchen Treffpunkt gerne auch die fußläufige Nahversorgung der Anwohner sicherstellen. "Es ist aber noch vollkommen offen, was sich hier realiseren lassen könnte. Das soll Ergebnis Handlungskonzepts sein", erläutert die Sozialamtsmitarbeiterin. "Es könnte ein kleiner Laden entstehen, der ehrenamtlich betrieben wird. Die Nahversorgung der älteren Bewohner könnte aber auch über einen Hol- und Bringdienst oder einem Einkaufservice ermöglicht werden. In dem Fall würden sie ihren Einkaufszettel einfach in der Begegnungsstätte abgeben", erzählt Jeannette Fritz. Sie kann sich gut ein Mehrgenerationenhaus vorstellen oder ein Dorfladen mit Café. Aber dies seien aktuell nur Idealvorstellungen. Offen ist die Umsetzung.

Dafür muss zunächst festgestellt und geklärt werden, ob im Gestfeld überhaupt ein Interesse auch an neuen Formen der Nahversorgung besteht, inwieweit Bürger bereit wären, sich ehrenamtlich zu engagieren, und ob sich Kooperationspartner finden lassen. Das ist die Aufgabe von Stadt + Handel. Ziel ist es, nachbarschaftliche Strukturen zu schaffen, in denen Menschen gut versorgt alt werden und aktiv am öffentlichen Leben teilhaben können. Als nächstes ist geplant, viele Akteure mit ins Boot zu holen. Neben den Bewohnern können sich Initiativen und Verbände wie zum Beispiel der Runde Tisch Gestfeld, Wohlfahrtsverbände, Einzelhändler, der Stadtsportverband sowie Schulen in die Konzepterstellung einbringen. "Wir wollen für das Gestfeld eine Lösung finden, die realistisch und auf den Stadtteil zugeschnitten ist. Es wird nicht gelingen, einen Discounter wie Aldi im Quartier anzusiedeln. Dafür ist der Stadtteil einfach zu klein", sagt Franz-Josef Evers im Gespräch mit dem Grafschafter.

Die Konzepterstellung wird finanziert aus Mitteln des Landesförderplans "Alter und Pflege" des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter. Die Fördersumme beläuft sich auf 15.000 Euro. Wenn das Konzept im kommenden Juni vorliegt, steht bis 2018 die Erprobungsphase an.

(RP)