Kamp-Lintfort: Berliner Ansichten auf dem Kamper Berg

Kamp-Lintfort: Berliner Ansichten auf dem Kamper Berg

Peter Fritz bringt ab Samstag Ansichten "seines Berlins" auf den Kamper Berg. Im Museum Kloster Kamp zeigt er Stadt- und Landschaftsbilder in Öl. Es ist ein ungeschminkter, fast spröde wirkender Blick auf die Hauptstadt.

An der Szenerie ist nichts gestellt: Menschen sitzen im Straßencafé an Bistrotischen. Ein rauchendes Damenkränzchen, daneben ein Yuppie im schicken Anzug auf dem Sprung. Sie sind in ihren Gesprächen vertieft. Den obdachlosen Mann, der mit seinen sieben Sachen vorbeigeht, nimmt niemand wahr. Die alten Straßen Berlins, ja ihre "traurige Poesie" faszinieren den Maler Peter Fritz immer wieder aufs Neue. Seine Stadtlandschaften sind ungeschönt und zeigen lebensnahen Alltag in all seiner Widersprüchlichkeit. Im Museum Kloster Kamp zeigt der Künstler ab Samstag, 19. Mai, unter dem Titel "Berlin auf Kamp" eine Auswahl seiner Arbeiten, die oftmals eine Spur Sozialkritik in sich tragen. Eröffnet wird die Ausstellung um 15.30 Uhr.

Traurige Straßenschluchten sind es zuweilen, die Peter Fritz in Öl da auf die Leinwand malt. Es ist nicht stets der authentische Ort, manchmal fügt der Künstler hinzu, oder nimmt etwas weg. "Ich will ja keine Straßenzüge voller Autos malen", erklärt Peter Fritz. Von Kitsch und Idylle weit entfernt, wirken die Bilder seine Berlins fast schon ein bisschen spröde, düster, apokalyptisch - und fast wie durch einen dunklen Schleier verhangen. "Naja, ich bin nicht der einzige Künstler, der die Unschärfe zum Prinzip gemacht hat", sagt der Maler, der sein Atelier in Weißensee hat. Manchmal schleicht sich in Fritz' Arbeiten ein Selbstbildnis hinein, abseits der anderen Personen, in Gedanken versunken. Das Warten als Lebensgefühl findet sich in etlichen Bildern, in denen Bahnhöfe im Fokus stehen. Wer jemals auf einen Zug mit Verspätung gewartet hat, kann die Gefühle nachempfinden, die sich in den gemalten Gesichtern widerspiegeln. "Ich bin in der DDR aufgewachsen. Damals war es nie sicher, ob der Zug überhaupt kommt." Peter Fritz hat solche Provinzbahnhöfe in Variationen gemalt.

Geboren in Werder / Havel, Abitur in Potsdam, Studium in Dresden, erstes Atelier in Weimar - so liest sich der Lebenslauf des Künstlers. Berlin zog ihn immer wieder an. Dort lebt er seit 1974. Neben Stadtleben und Porträts von Menschen, die ihn faszinieren, reizen ihn Landschaften. Einige Bilder hat er auf den Kamper Berg mitgebracht - eines zeigt das Wattenmeer an der Nordsee: Wasser, Himmel, ein endloser Horizont. "Zu DDR-Zeiten sagte jemand über meine Bilder, ich würde die Grenzenlosigkeit malen", erinnert sich der Berliner Künstler, der sich bewusst für die realistische Malerei entschieden hat.

"Ich habe einige abstrakte Arbeiten geschaffen - nur so für mich. Ich bekenne mich aber ganz klar zur realistischen Tradition des beginnenden 20. Jahrhunderts", erläutert er. Dabei sind seine Themen allzeit aktuell: ob Obdachlosigkeit, Ausgrenzung oder Flüchtlingskrise. Peter Hahnen, Geschäftsführer des Zentrums Kloster Kamp, freut sich darüber, im Museum die Berliner Bilder mit ihren überraschenden Effekten und abermals einen neuen Künstler zeigen zu können.

Die Eröffnung der Ausstellung "Berlin auf Kamp" ist am Samstag, 19. Mai, um 15.30 Uhr. Die Arbeiten sind bis zum 12. August, dienstags bis samstags, 14 bis 17 Uhr, sonntags ab 11 Uhr im Museum Kloster Kamp, Abteiplatz 24, in Kamp-Lintfort zu sehen.

(RP)