Baubranche boomt: Stadthallen-Sanierung in Kamp-Lintfort wird teurer

Kamp-Lintfort : Sanierung der Stadthalle wird teurer

Die aktuell gute Konjunktur in der Baubranche fordert ihren Tribut: Auf die Ausschreibung der Gewerke für die Sanierung der Stadthalle erhielt die Stadt nur wenige Angebote. Die Preise waren deutlich höher als geplant. Das Angebot eines Dachdeckers lag um 77,7 Prozent über Kostenberechnung.

Dass die Auftragsbücher in der Baubranche landauf, landab voll sind, hat die Stadt Kamp-Lintfort jetzt so richtig deutlich zu spüren bekommen. Der Stadtrat hatte die Verwaltung im März beauftragt, die in die Jahre gekommene Stadthalle am Schulzentrum Kamper Dreieck umfassend sanieren zu lassen. Auf ihre Ausschreibung der Gewerke erhielt die Stadt jedoch nur wenige Reaktionen. Für eines der größten Gewerke auf der geplanten Baustelle, die technische Gebäudeausstattung, wurde kein einziges Angebot abgegeben. Für die anderen kamen Angebote, die deutlich über der Kostenberechnung lagen, die die städtischen Bau-Experten vor der Ausschreibung errechnet hatten. So lag der einzige Bieter für das Gewerk Rohbau mit seinem Angebot 38,9 Prozent drüber. Im Bereich Elektro waren es 18,8 Prozent mehr. Den Vogel schoss aber ein Dackdecker ab. „Er lag mit seinem Angebot 77,7 Prozent über der Berechnung“, berichtete Christoph Müllmann, Erster Beigeordneter in Kamp-Lintfort.

Folge: Die Stadt muss mit den Bietern nachverhandeln. Die Kosten für das mit 3,5 Millionen Euro geplante Projekt werden trotzdem steigen. Der Erste Beigeordnete geht von einer Kostenüberschreitung um 15 bis 20 Prozent aus. „Man wird die Kosten in den neuen Verhandlungen nur schwer gedrückt bekommen“, sagt Christoph Müllmann. Da die Ausschreibungsergebnisse die Kostenberechnungen überschreiten, darf die Stadt Ausschreibungen aufheben und mit den Firmen, die ein Angebot vorgelegt haben, in freie Verhandlungen einsteigen. „Um so möglicherweise ein günstigeres Angebot zu erzielen“, erläutert Müllmann. Das Sanierungsprojekt zu verschieben, mache keinen Sinn.

„Wir haben Planungs- und Vorlaufkosten. Es wären davon viele Beteiligte betroffen. Außerdem sind wir mit bestimmten Ausschreibungen auch Verpflichtungen eingegangen.“ Die Stadtverwaltung war vor der Ausschreibung auf neun Handwerksbetriebe zugegangen. „Es werden jetzt weitere angesprochen. Wir erwarten neue Bewerbungen“, erläutert Müllmann das weitere Vorgehen. Aus den Gesprächen mit den Unternehmern weiß er jedoch, dass deren Auftragsbücher bereits für das nächste halbe Jahr voll sind. „Da müssen schon Objekt und Preis stimmen. Und die Baupreise entwickeln sich weiter“, sagt er.

Die gute Konjunktur in der Baubranche hält aus seiner Sicht seit gut zwei Jahren an. „Es ist für unsere Architekten schwer einzuschätzen, weil es nicht kontinuierlich alle Gewerke betrifft.“ Ähnliche Erfahrungen machte die Stadt bereits bei der Sanierung der Glückauf-Halle und aktuell beim Bau des neuen Vereinsgebäudes auf Alemannia Kamp. Frei verhandeln konnte die Stadtverwaltung auch beim Neubau der Kita am Landwehrweg. „Wir hatten eine Pfosten-Riegel-Konsruktion ausgeschrieben. Die beiden Angebote, die wir erhalten haben, lagen jeweils 20 Prozent oberhalb der städtischen Kostenberechnung.“

Christoph Müllmann ist jedoch zuversichtlich, dass zum Ende der Ferien das erste Gewerk am Rohbau der Stadthalle arbeiten wird. Die 1963 erbaute Stadthalle soll umfassend saniert werden. Investiert wird vor allem in die brandschutztechnische Ertüchtigung. Geplant ist beispielsweise der Einbau einer flächendeckenden Brandmeldeanlage und die energetische Sanierung der Fassade des Obergeschosses und des Theatersaals.

Alle Türen und Fenster will man austauschen. Klimatisierung, Belüftung und die elektronischen Anlagen werden auf den neuesten Stand gebracht. Der Boden der Bühne wird saniert, der Künstlerbereich renoviert. Bis zum Herbst 2019 sollen die Arbeiten umgesetzt sein, damit das Theater-Abo wieder mit vielen Theaterstücken und Komödien in der Kamp-Lintforter Stadthalle laufen kann.

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