Kamp-Lintfort: Azubi der Diakonie hilft in Äthiopien

Kamp-Lintfort: Azubi der Diakonie hilft in Äthiopien

Hannah Sondram hat sich in Addis Abeba beruflich gebildet und für Menschen mit Behinderungen engagiert.

Weit gereist und mit neuen Erfahrungen arbeitet Hannah Sondram als Auszubildende zur Kauffrau für Büromanagement in der Kamp-Lintforter Dienststelle der Grafschafter Diakonie - Diakonisches Werk Kirchenkreis Moers. Vor wenigen Wochen erst war die 25-Jährige per Nachtflug aus Addis Abeba an ihren Schreibtisch an der Konradstraße zurückgekehrt. "Ich wollte mir die Chance nicht entgehen lassen, diese Erfahrung zu machen, das erste Mal außerhalb Europas zu sein und dann auch noch für einen ganzen Monat", berichtete sie.

Zusammen mit vier weiteren Azubis, die vom Institut für Modelle beruflicher und sozialer Entwicklung (Imbse GmbH) während ihrer Ausbildung begleitet werden, lebte sie in Addis Abeba und arbeitete vier Wochen lang in der Kooperative Signum Vitae, nahe der äthiopischen Hauptstadt. Die 1989 gegründete Einrichtung bietet körperlich beeinträchtigen Menschen eine berufliche Perspektive. Sie wurden ihrer Behinderung entsprechend in unterschiedlichen Berufen ausgebildet und konnten danach dort in dem Bereich der Augenklinik, der Brillenherstellung, der Brillengläserschleiferei, dem Optikergeschäft, der Tischlerei und der Schneiderei arbeiten. Dabei verdienen sie etwa das Dreifache des durchschnittlichen Gehaltes in Äthiopien.

Die Aufgabe der jungen Kamp-Lintforterin: Gemeinsam mit einer Kollegin arbeitete sie an der Internetpräsenz der Kooperative, erstellte Texte für Produktbeschreibungen und arbeitete an einer Präsentation der Geschichte der Einrichtung. Organisiert hat das Abenteuer Marion Abelt, Ausbildungsleiterin bei der Imbse, bei der Sondram bis letzten September im Rahmen der kooperativen Ausbildung angestellt war, bevor die Auszubildende von der Grafschafter Diakonie in die betriebliche Ausbildung übernommen wurde: "Indem sie Phasen ihrer Berufsausbildung in einem anderen kulturellen Kontext ausüben, ergibt sich die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu sammeln und soziale wie interkulturelle Horizonte zu erweitern", erklärt Organisatorin Abelt den pädagogischen Gedanken dahinter.

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Elke Stüning, die Leiterin der Kamp-Lintforter Diakoniedienststelle freut sich für ihre Auszubildende: "Wir haben unserer Auszubildenden diese Erfahrung gerne ermöglicht. Ein Land mit einer anderen Kultur nicht als Urlauberin, sondern in viel intensiver in einer sozialen Einrichtung vor Ort kennenzulernen, bedeutet einen Blick über den Tellerrand, von dem ein junger Mensch sein ganzes Berufsleben lang profitieren kann."

Neue Eindrücke hat die Auszubildende bei dem Auslandspraktikum jedenfalls reichlich gesammelt: Zum Beispiel erfuhr sie, wie es ist, jeden Tag "Injera", also Sauerteigfladenbrot, mit den Händen zu essen. Was es bedeutet, nicht immer zuverlässig Wasser zu haben. Oder wie es ist, Reich und Arm so nahe beieinander zu sehen. Mit an den Niederrhein nimmt Sondram allerdings vor allem dies: "Die Leute dort hatten keine Vorurteile", sagt sie. Die Gruppe wurde von ihren Kollegen in der Kooperative freundlich und herzlich empfangen. Auch die Äthiopier, die sie darüber hinaus kennengelernt hat, gingen ihr vorurteilsfrei und offen entgegen. Sondram: "Hier in Deutschland sind viele Menschen skeptisch gegenüber Ausländern, die Äthiopier, die ich kennengelernt habe, sind das nicht. Das hat mir gefallen."

Finanziert wurde das Projekt mit Engagement Global gGmbH - Service für Entwicklungsinitiativen in Düsseldorf, dem Konkreten Friedensdienst und Signum Vitae in Addis Abeba.

(RP)