1. NRW
  2. Städte
  3. Kamp-Lintfort

Autarkes Wohnen auf dem Dachsberg in Kamp-Lintfort

Ehemaliges Landschulheim in Kamp-Lintfort : Autarkes Wohnen auf dem Dachsberg

Aus dem ehemaligen Berglehrlingsheim und späteren Schullandheim wird ein Studentenwohnheim umgeben von purer Natur. Eigentümer Leo Hennen setzt auf eine eigene Energieversorgung über Photovoltaik.

Leo Hennen hat sich einiges vorgenommen. Er hat das Haus auf dem Dachsberg vom Hochschulverein Novalis gekauft. Schritt für Schritt werden dort Studentenzimmer hergerichtet. 16 Zimmer in der Größe bis zu 25 Quadratmetern sind bereits vermietet. Die Warmmiete liegt bei 300 bis 400 Euro.

Aktuell leben im Haus junge Leute aus sechs Nationen. Noch ist Zeit für Gartenarbeiten auf dem rund 15.000 Quadratmeter großen Areal. Sperrmüll türmt sich an anderer Stelle. Also Arbeit satt, aber der Weg ist für den 27-Jährigen klar. „Geplant sind insgesamt 25 Zimmer und später noch Wohnungen“, so Leo Hennen, der selber auf dem Dachsberg lebt. Er schwärmt von der Ruhe, der Natur und dem Ort, der für ihn immer besonders war. Überraschungen gab es für ihn daher nicht. Er kannte die Substanz des Hauses und auch die Herausforderungen, die beim Kauf auf ihn zukommen würden. Dämmung und Energie sind nur zwei Stichworte. Vor gut 20 Jahren gab es eine Rund-um-Sanierungsmaßnahme.

Ricardo, einer der Bewohner des Hauses, in seinem Zimmer. Er kommt aus Argentinien. Studenten aus sechs Nationen leben auf dem Dachsberg unter einem Dach. Foto: ja/Arnulf Stoffel (ast)

„Ich wollte, dass dieser Ort inmitten der Natur erhalten bleibt und dass Menschen Gemeinschaft erleben. Dafür sorgen auch das Kursangebot vom Hochschulverein Novalis, Yoga- und Meditationskurse, sobald es wieder möglich ist. Klar spielt bei mir auch eine gehörige Portion Idealismus mit. Vielleicht auch, weil ich früh mit dem Hochschulverein Novalis und dem Vorstand mit Jens Kilian und Klaus Hartmann Kontakt hatte.

Der Bezug zum Dachsberg war für mich immer da. Ich habe ihn als Ort des Austausches und der Kommunikation kennengelernt“, erläutert Leo Hennen. „Ich weiß, dass ihn in den 90er Jahren die Emmaus-Gemeinschaft für sich entdeckt hat. Das Haus diente der Stadt Mühlheim als Landschulheim. In den 50er Jahren war es ein Berglehrlingsheim, wie sich an den Außenlampen mit Bergwerksymbolen Schlägel und Eisen erkennen lässt. Noch früher diente es der Hitlerjugend als Bildungsstätte, als Flak-Einheit und ebenfalls im Krieg als Unterkunft für Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene“, weiß Leo Hennen aus der Vergangenheit des Hauses zu berichten.

Das Gebäude verfügt über zwei Etagen mit Aufenthaltsräumen und zwei Gemeinschaftsküchen. In der Funktion als Schullandheim mit entsprechend vielen Zimmer und einem langen Flur ist die bauliche Struktur vorgegeben. Gemütlich hat sich Angelina ihr Zimmer eingerichtet, funktional präsentiert sich mit Schreibtisch und Arbeitscomputer das Zimmer von Ricardo.

Hennen, der sich als Bauherr um die Sanierung kümmert, hat die Rechnung ohne die Corona-Pandemie gemacht. Manche der Baumaßnahmen müssen bis zum nächsten Jahr warten. „Förderanträge mit 40 prozentiger Bezuschussung sind beim Land gestellt. Die Ölheizung kommt raus. Wir setzen auf Photovoltaik und Solarenergie und kommen dem großen Ziel, auf dem Dachsberg autark zu leben, immer näher. Im Frühjahr werden wir mit den Bewohnern Gemüsegärten anlegen. Das Projekt wird mich die nächsten 20 Jahre beschäftigen. Das ist zwar ein langer Zeitraum, aber so habe ich mich entschieden“, so Hennen.

Er gibt sich entspannt, da die Innengestaltung in einem massiven Gebäude, Baujahr 1937, im Mittelpunkt steht. Ob im nächsten Sommer über den Novalis-Verein der internationale Austausch mit einem Workcamp und helfenden Händen möglich sein wird, ist noch ungewiss. Das gilt auch für kulturelle Veranstaltungsformate.

„Viele Arbeiten schaffen wir alleine. Froh bin ich in jedem Fall, dass wir mit einem Architekten und einer Brandschutzfirma das professionelle Brandschutzkonzept stemmen. Brandschutz gehört zu den dringendsten Arbeiten in Absprache mit der Stadt Kamp-Lintfort. Alles andere gehen wir Schritt für Schritt an und werden mit weiteren Arbeiten im nächsten Jahr starten. Wichtig ist die Zusammenarbeit mit den zuständigen Ämtern.“