Ausstellung mit Marionetten von Annette Schreiner in Kamp-Lintfort

Kunst in Kamp-Lintfort: Klostermuseum zeigt die Welt am Faden

Die Dinslakener Künstlerin Annette Schreiner  präsentiert im Museum Kloster Kamp ab Samstag ihre selbst gebauten Marionetten.

So und nicht anders sah der italienische Eismann aus, der früher mit der Glocke bimmelnd durch die Straßen fuhr. Der Blick freundlich-verschmitzt, ein Lächeln unterm schwarzen Schnurrbart, die weiße Kappe keck auf den Kopf gesetzt. Annette Schreiner hat einen Blick für Gesichter, für die Typen und Charakterköpfe. Mit wachem Blick und falten-starkem Ausdruck wirken sie wie lebendig, wenngleich ihre „Welt am Faden“ hängt. Seit 25 Jahren baut die Dinslakenerin Marionetten mit der Leidenschaft für die Kunst des Handwerks, die in einer digitalen Welt irgendwie verloren zu gehen scheint. Und an der man sich doch nicht satt sehen kann. Im Museum Kloster Kamp hat man ab Samstag, 24. November, die Gelegenheit dazu. Peter Hahnen, Geschäftsführer des Zentrums Kloster Kamp und begeisterter Marionetten-Sammler, hat die 59-Jährige auf den Kamper Berg eingeladen.

Annette Schreiner Foto: Anja Katzke

Annette Schreiner präsentiert in zwei Räumen eine Auswahl ihrer Marionetten. Einige 100 hat sie in zweieinhalb Jahrzehnten geschaffen. Der Künstler zum Beispiel, der an Dali erinnert, ist gerade erst fertig geworden. Für die Dinslakenerin, die ihr Kunsthandwerk bislang nur auf Märkten am Niederrhein vorstellte, ist es die erste große Ausstellung in einem Museum. „Ich freue mich darüber, mit meinen Figuren im Warmen zu stehen“, sagt sie. Ihre Marionetten haben keine realen Vorbilder, wenngleich sich Besucher bei der einen oder anderen doch an jemanden aus der Familie oder dem Bekanntenkreis erinnert fühlen werden. Irgendwie ist man ihnen allen schon mal begegnet: Dem alten Herrn mit den buschigen Augenbrauen, der zur Lotto-Filiale schlurft, der vollbusigen Mittfünfzigerin, die einen Einkaufswagen voller schön verpackter Geschenke schiebt, oder dem Kartenspieler in der Eckkneipe. Wenngleich die Marionetten technisch ausgeklügelt und jederzeit gespielt werden können, ist das Theaterspiel nicht das, was Annette Schreiner an ihrem Handwerk fasziniert. Es ist das Bauen, Modellieren, Schnitzen, Gestalten, Nähen, die Arbeit mit dem Holz. „Ich zeichne immer erst einen Entwurf, doch beim Modellieren fließt das Schöpferische von ganz allein hinein.“ Die studierte Geografin hatte vor Jahren eine Marionetten-Ausstellung besucht und war begeistert. Für sie stand fest: „Das will ich lernen.“ Sie besuchte unter anderem das Bochumer Figuren-Kolleg, lernte von Puppenspielern ganz viel über den Marionettenbau. In der Ausstellung im Museum Kloster Kamp zeigt sie ihr erstes Werkstück. Heute modelliert sie Köpfe, Hände, alle nackten Körperpartien bis in die Fingerspitzen aus einer Masse von Holzmehl und Leim. Eines ist Annette Schreiner wichtig: Ihre Figuren müssen am Faden hängen. „Ich baue keine Puppen, Ikonen der Schönheit.“ Da ist ihr der philosophische Ansatz, den Marionetten auch vermitteln, deutlich näher: „Es geht mir nicht nur um den Körper, sondern darum, dass  wir  immer auch in der Welt gelenkt werden.“ Eines der schönsten Erlebnisse schenkte der Marionettenbauerin übrigens vor Jahren ein Kind. „Es betrachtete meinen Froschkönig mit der goldenen Kugel und gab ihm einen Kuss.“

Marionette Foto: ras
  • Kamp-Lintfort : Zentrum Kloster Kamp entwickelt Museums-App

Die Ausstellung „Welt am Faden“ wird Samstag, 24. November, 15.30 Uhr, eröffnet. Die Arbeiten sind bis zum 3. Februar ausgestellt. www.kloster-kamp.eu

Mehr von RP ONLINE