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Ausstellung in Kamp-Lintfort zeigt Baum und  Borke.

Kunst in Kamp-Lintfort : Ausstellung zeigt Baum und Borke

Wolfgang Loerzer mag Bäume und fotografiert sie beim Wandern und Spaziergehen. Den Blick auf ihre borkigen Details zeigt er jetzt in der Mediathek in Kamp-Lintfort.

Eine Auswahl seiner Fotoarbeiten zeigt Wolfgang Loerzer in der Kamp-Lintforter Mediathek. „Ein idealer Ort zwischen all den Büchern, die früher ja mal Bäume waren“, freut sich der 85-jährige passionierte Hobbyfotograf. Mit Nikon und Lumix ist er unterwegs. „Ohne meine Kameras gehe ich nicht raus“, erklärt er. Wenn ihm in der Natur, im lichtdurchfluteten Waldweg oder am Wegesrand ein „Baum-Modell“ vor die Linse kommt, drückt er auf den Auslöser. Inspiriert hat ihn der Bestseller „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben. Es steht wie selbstverständlich als Sachbuch für die Besucher der Mediathek griffbereit auf dem Büchertisch neben den Bildern. Der Autor argumentiert überzeugend, dass Bäume ein eigenes Leben haben und im „wood-wide-web“ miteinander kommunizieren. Loerzer ist begeistert von den individuellen Strukturen, die Baum, Borke und Rinde liefern. Er spricht vom Wunderwerk der Natur und von der eigenen Lebensform der Bäume.

Seine Arbeiten stammen aus den letzten drei Jahren und sind für ihn das Thema überhaupt. Die Natur, Maritimes, Technik und Architektur gehören zu seinen favorisierten Themen. Bereits in seiner Wahlheimat Aurich stellte Loerzer seine Fotoarbeiten aus. Auch fertigte er Miniatur-Modelle alter Gebäude für das Historische Museum Aurich an. „Ich habe in Aurich viel ehrenamtliche Museumsarbeit gemacht und auch ausgestellt. Etwas Modernes, nicht so sehr das Artige, wie es manchmal in der Aquarellmalerei zu sehen ist“, lacht Loerzer. Den Niederrhein kennt der gebürtige Königsberger seit 1948 gut. Ab 1949 arbeitete er 20 Jahre auf der Zeche, wechselte von Kamp-Lintfort nochmals für 20 Jahre als Maschinen-Techniker nach Homberg. 2004 erfolgte der Umzug nach Aurich in die Heimat seiner Frau, wo er seine Leidenschaft für die Fotografie entdeckte. Ein Fotoforum bot verschiedene Kurse, in denen Loerzer seine Leidenschaft vertiefte und sich auf noch festere technische Grundlagen in der Fotografie stellte. „Das war für mich eine ganz aktive Zeit, die ich nicht missen möchte“, so Loerzer. Auch er hat, wie ein Baum, seine Wurzeln. Die liegen am Niederrhein, denn 2014 zog das Ehepaar zurück und wohnt seither in Neukirchen in die Nähe der Kinder. Seine Bilder offenbaren den Blick auf das spannende Detail. Ein Aspekt, der besonders Katharina Gebauer, Leiterin der Mediathek, ansprach. „Die vergrößerte Sicht aufs Detail finde ich enorm spannend. Man muss genau hingucken, ob es ein gemaltes Bild ist oder eben eine Fotografie ist“, so Gebauer. Manches Bild erinnert an die Malerei von Paul Klee, bei der fotografisch offengelegten Baumstruktur an die Kunst von Günther Uecker oder weckt Erinnerungen an die Landschaftsfotografie im Gebirge oder im Grand Canyon. Mit dem Gespür für den detailbestimmten Blick auf die Borke, die Struktur, den Baum selber oder aber den Baumstumpf, aus dem der Pilz wächst, legt Loerzer unbekannte Seiten offen. „Alles zu Ehren des Waldes“, so Loerzer über seine Motivation. Zur Ausstellung begleitend stellt die Mediathek Buchtitel zum neuen Trend „Waldbaden“ und Entspannung in der Natur bereit.

Die Ausstellung ist vom 3. Juni bis 5. Juli, zu den Öffnungszeiten der Mediathek, Freiherr-vom-Stein-Straße 26, zu sehen.