Auskiesung in Kamp-Lintfort: Heute Anhörung im Landtag.

Kiesabbau in Kamp-Lintfort : Widerstand gegen neue Kiesflächen

Am Niederrhein wächst der Widerstand gegen die Ausweisung von neuen Flächen für die Kiesindustrie. Gestützt wird das von einem Gutachten. In Bedburg-Hau arbeiten Politik, Verwaltung und Anwohner Hand in Hand gegen den Abbau.

Seitdem bekannt geworden ist, dass ein Unternehmen etliche Hektar Land aufgekauft hat, um in Hau Kies auszugraben, laufen die Gegner dieses Plans Sturm. Insgesamt geht es um 34.000 Quadratmeter zwischen Antoniterstraße und Saalstraße, auf denen abgegraben werden soll. Anwohner befürchten Lärmbelästigung und erhöhtes Verkehrsaufkommen durch die Kieslaster, Umweltschützer warnen vor einem tiefen Eingriff in die Natur. Auch die Lokalpolitik steht dem geplanten Kiesabbau, der 2020 beginnen soll, ablehnend gegenüber.

Bedburg-Haus Bürgermeister Peter Driessen nahm am Dienstagabend auf einer von Anwohnern organisierten Bürgerversammlung in der Antoniterklause, am Rand des geplanten Abbaugebiets, teil. Auch er ist ein Gegner eines weiteren Kiesabbaus in Hau. „Wir prüfen derzeit, wie wir dagegen vorgehen können, und haben dazu einen Anwalt eingeschaltet“, sagt Driessen im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Unternehmer habe ihm Gespräch erläutert, dass, wenn es zum Abbau kommen wird, künftig fünf bis zehn Kieslaster täglich fahren werden. „Aber man weiß ja nicht, ob man sich darauf verlassen kann, dass es dabei bleibt“, sagt Driessen. Genaueres könne man erst sagen, sobald der Antrag  für den Kiesaubau eingegangen ist. Das sei bislang aber noch nicht geschehen, so Elke Sanders vom Kreis Kleve auf Anfrage unserer Redaktion.

Mit dem Kampf gegen Auskiesungen sind die Bedburg-Hauer nicht alleine. Eine Delegation vom Niederrhein hat im Düsseldorfer Landtag acht Aktenordner mit 12.000 Unterschriften gegen den Kiesabbau am Niederrhein übergeben. Und Kamp-Lintforts Bürgermeister Christoph Landscheidt hat dort in der ersten Anhörung des neuen Landesentwicklungsplans (LEP) die Gelegenheit wahrgenommen, die Ergebnisse eines Gutachtens vorzustellen. Der Gutachter kommt zu dem Ergebnis, dass die geplanten Änderungen des LEPs zur Auskiesung am Niederrhein vor Gericht juristisch anfechtbar seien. Die Verlängerung des Versorgungszeitraums von 20 auf 25 Jahre entspreche nicht den Anforderungen des Raumordnungsgesetzes. Die Landesregierung habe es versäumt, zu ermitteln, welchen Bedarf sie eigentlich sichern wolle. „Wir wollen nicht vor Gericht gehen und klagen“, betonte Wesels Landrat Ansgar Müller bei einer Pressekonferenz, an der zahlreiche Mitglieder des Aktionsbündnisses Niederrhein-Appell teilnahmen. Darin haben sich Gruppen zusammengeschlossen, die den Kiesabbau am Niederrhein kritisieren. „Wir möchten Einfluss auf das Verfahren nehmen und den Landtag bewegen, von den Planungen Abstand zu nehmen. Das Gutachten belegt, dass die heutige Bedarfsregelung einer rechtlichen Betrachtung nicht Stand hält“, so  Ansgar Müller.

Dem Niederrhein-Appell hat sich jetzt auch der Klever Kreisverband der Grünen  angeschlossen. „Die Aufweichungen im neuen Landesentwicklungsplan der schwarz-gelben Landesregierung dienen ausschließlich der Kiesindustrie und schaden massiv den Menschen am Niederrhein und ihrer Region.  Wir wollen nicht, dass der Niederrhein ein Flickenteppich aus Kieslöchern wird,“ so Bruno Jöbkes, Sprecher des Kreisverbandes. „Die regionalplanerische Bedarfsermittlung von Kies und Sand, in welcher nicht festgelegt ist, wessen ,Bedarf’ ermittelt werden soll, erfolgt ausschließlich  an den Mengen, die die Kiesindustrie in den jeweils   letzten drei Jahren abzugraben  vermochte.“ Einzig die abgebaute Menge stelle den „Bedarf“ dar. Je fortgeschrittener also der technische Abbau und die Absatztätigkeiten insbesondere im Ausland optimiert würden, desto mehr Flächen würden der Kiesindustrie als so genannter „Bedarf“ neu zugewiesen. Somit sei das zurzeit angewandte Abgrabungsmonitoring für die Berechnung der landesplanerischen Versorgungssicherheit nicht geeignet, so die Grünen.

(aka/zel)
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