Kamp-Lintfort: Auftakt der Kamper Konzerte mit einem Streichquartett

Kamp-Lintfort: Auftakt der Kamper Konzerte mit einem Streichquartett

Unter der Überschrift "Von Kamp nach Lintfort" stand der diesjährige Auftakt der Kamper Konzertreihe. Grund sind die Sanierungsarbeiten im Kloster Kamp und im Rokokosaal. Doch auch die Aula der Janusz-Korczak-Schule bot eine schöne und angemessene Ersatzkulisse. Dank des Renommees des Mannheimers Streichquartetts war der Saal trotz des größeren Platzangebots nahezu ausverkauft. "Wer sich vom Mannheimer Streichquartett nicht überzeugen lässt, der muss taub sein", heißt es über das 1975 gegründete Ensemble, das seinen Namen durch seinen Gründungsort und in Anlehnung an die "Mannheimer Schule" erhielt. Inzwischen hat das Streichquartett zwar seinen Sitz in Essen, doch geblieben ist die Verbindung zur Mannheimer Schule, einer Gruppe von Musikern und Komponisten am Hof des pfälzischen Kurfürsten Karl Theodor, die an der Entstehung der Gattung "Streichquartett" entscheidenden Anteil hatte und durch die Mozart, aber auch Haydn und Beethoven beeinflusst wurden.

Der Geist der Mannheimer Schule umwehte quasi den Beginn des Konzerts mit Haydns Streichquartette op. 76/3. Als "Kaiserquartett" berühmt geworden ist es "ein grandioses Werk mit spannenden Exzessen", wie der Cellist Armin Fromm in seiner anschaulichen Moderation erklärte. Spannend war auch die Interpretation, die das Werk prachtvoll ausgreifend und mit fast symphonischem Duktus zeigte. Erwartungsgemäß kam der langsame Satz, in dem Haydn seine 1797 komponierte Hymne "Gott erhalte Franz, den Kaiser" verwendete, am besten an. Wie eine von stiller, abgeklärter Heiterkeit geprägte Bilanz klang Beethovens Quartett F-Dur op. 135, das letzte Streichquartett des Titanen. Auch hier überzeugte das Mannheimer Streichquartett durch wunderbar homogenes Zusammenspiel und eine klangliche Transparenz, die musikalische Strukturen in einem ganz feinen Licht erscheinen ließ. Zur Überschrift des letzten Satzes, "Der schwer gefasste Entschluss", erzählte Fromm von einem Streit zwischen Beethoven und seiner Haushälterin, die mehr Geld forderte und ihn in einen Disput verwickelte. Ob es bei dem berühmten Motto "Muss es sein?" - "Es muss sein!" wirklich um Haushaltsgeld ging oder, wie manche Quellen berichten, um eine Entschädigung für einen Geiger, war angesichts der spritzigen und humorvollen Interpretation völlig belanglos. Mit Dvoráks Opus 96, seinem berühmten "amerikanischen" Streichquartett, schloss sich der Rahmen effektvoll, hatte der Komponist doch bei der Entstehung des naturverbundenen und einheitlichen Werks nach eigenen Worten "Väterchen Haydn vor Augen".

Die stilisierten Vogelstimmen im dritten Satz des in Iowa komponierten "Urlaubsquartetts" zauberten eine Ahnung vom kommenden Frühling in die Aula. Und in der stürmisch geforderten Zugabe lieferte das Mannheimer Streichquartett mit Puccinis "Chrysanthemen" noch klangliche Blütenpracht dazu.

(prs)