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Auf der Landpartie Kamp-Lintfort Geschichte erfahren

Kamp-Lintfort : Landpartie erfährt Geschichte

Die Kamp-Lintforter Landpartien sind ein Garant dafür, ein Stück Stadtgeschichte neu zu entdecken. So auch bei dieser Radler-Ausgabe, die das Amt für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing zum Thema „ehemalige Landschulen“ anbot.

Organisiert von den Tourenleitern der Initiative „Freie Radler Niederrhein“ trat die 40-köpfige Radlergruppe ab Rathaus die Reise an die ehemaligen Standorte der Volksschulen an. Schulkapitel von Saalhof, Kamp und Rossenray wurden aufgeschlagen. Das Schulgebäude in Rossenray, heute im Besitz der St.-Bernhardus-Bruderschaft, lud zur Zeitreise und Kaffeepause ein. Gertrud Goß, ehemalige Volksschülerin in Rossenray, erinnerte an Erlebnisse aus der Schulzeit. „Lehrer und Schule, das war eine Einheit. Lesen und Schreiben haben wir gelernt. Unsere Schule Rossenray war für uns ein Stück Heimat“, erinnert sie sich. 1838 erbaut, bot die Landschule Schulbildung in einem Raum mit etwa 30 Kindern von der ersten bis zur achten Klasse. Neben dem Schulunterricht gab es gemeinsame Feste, wie Karnevalsfeiern, Oster- wie Schützenfeste bis zu Nikolausfeiern samt „Goldenem Buch“. Vor dem Schützenfest galt als Kardinalfrage, wer von den Mitschülerinnen wohl Königin werden könnte. „Wir hatten auf der Wiese unser Sportfest und machten Schulausflüge. Dann gab es Musik ab der dritten Klasse mit Blockflöte, Orffschem Orchester und zweistimmigem Chor“, erzählt Gertrud Goß. „Ich frage mich heute oft, wie hat unser Lehrer Prümm das alles hingekriegt“, sagt sie. Im Zuge der Schulreform schloss die Volksschule Rossenray 1965. Das von der Bruderschaft hergerichtete Schulgebäude gibt bis heute Gelegenheit für Klassentreffen, so auch 1987. Goß: „Ein sehr emotionaler Moment, als sich Generationen erstmals wieder sahen.“ Rund 330 Ehemalige fanden sich in ihrer alten Schule ein, um in alten Zeiten zu schwelgen. Bei der jüngsten Landpartie hatten die Radler auch Station in Saalhoff gemacht. Über das Kamper Schulwesen steuerte Heinz Ermen sein Wissen bei. 1640 unterrichtete ein „Hilfsgeistlicher“ nur in den Wintermonaten. 1720 bekamen die Kamper ein eigenes Schulgebäude mit zwei Klassenräumen auf dem Berg. Das Schulleben endete dort ebenfalls Mitte der 1960er Jahre. „Wir führen auch die Tour im September zu den Höfen“, sagt Ralph Grützmacher von den „Freien Radlern“ über die nächste Landpartie. Anmeldungen für Freitag, 14. September, 15 bis 19 Uhr, im Rathaus unter 02842 912452.