Kamp-Lintfort: Asdonkshof: Ab 2020 weniger Gebühren

Kamp-Lintfort: Asdonkshof: Ab 2020 weniger Gebühren

Das Abfallentsorgungszentrum Asdonkshof ging vor 20 Jahren in Betrieb. Die Anlage ist laut Geschäftsführer Peter Bollig heute voll ausgelastet. Bis Ende 2020 ist sie abgeschrieben. In Planung: eine neue Bioabfallbehandlungsanlage.

Sieben Millionen Tonnen behandelte Abfälle, davon fünf Millionen Tonnen verbrannt, 730.000 Tonnen vermarktete Wertstoffe, also Papier, Metalle und Altkleider. Das sind genau 20 Jahre Asdonkshof in Zahlen. 1997 ging das damals als überdimensioniert diskutierte Abfallentsorgungszentrum im Kreis Wesel in Betrieb. "Wir haben das Vertrauen der Bürger gewonnen, weil wir unsere Zuverlässigkeit bewiesen haben", sagt Peter Bollig, Geschäftsführer der Kreis Weseler Abfallgesellschaft. "Und wir sind ausgelastet. Wir mussten in all den Jahren nie den Ofen ausmachen, weil wir zu wenig Müll gehabt hätten."

Das Jubiläum ist gefeiert, der Geschäftsführer plant die Zukunft des Entsorgungszentrums. Ein solches Thema ist die Bioabfallbehandlung. "Unser Kompostwerk ist voll ausgelastet. Die Mengen steigen weiter", erklärt Bollig. Vor diesem Hintergrund gründeten die Kreise Wesel und Viersen im April den Bioabfallverband Niederrhein. Gemeinsames Ziel ist der Bau einer Bioabfallbehandlungsanlage am Standort des in Kamp-Lintfort angesiedelten Entsorgungszentrums. Dazu wurde eine Tochtergesellschaft, die Niederrheinische Bioanlagen Gesellschaft, gegründet.

Foto: reichwein

"Die Vorplanung ist weitgehend abgeschlossen und der Planungsauftrag erteilt", berichtet Bollig im Gespräch mit der RP. Ziel sei, dass diese Anlage im Jahr 2021 in Betrieb geht. "Die Entscheidung, ob das Vorhaben realisiert wird, soll Mitte 2018 fallen. Dann liegen fundierte Kostenschätzungen vor." 67.500 Tonnen Bioabfälle aus beiden Kreisen könnten in der Anlage verwertet werden. Eine vordringliche Aufgabe sieht der Asdonkshof-Geschäftsführer darin, die Leistungsfähigkeit des Unternehmns zu erhalten. "Wir befassen uns zurzeit intensiv mit der Umsetzung der neuen Gewerbeabfallverordnung." Der Gewerbemüll werde am Standort sortiert.

Ausgerechnet das Thema Gewerbemüll hatte das Entsorgungszentrum in seinen Anfangsjahren vor eine große Herausforderung gestellt: Just, als die Anlage 1996 in Bau war, wurde eine gravierende Änderung ins Kreislaufwirtschaftsgesetz geschrieben. "Jedes Gewerbe konnte seinen Müll frei verkaufen", erinnert sich Bollig. "Es war eine der größten Herausforderungen. Die Bürger mussten einen Großteil der Schmerzen über die Kosten tragen. Wir haben gelernt, damit klar zu kommen." Das Entsorgungszentrum akquiriert den Gewerbemüll heute im Bereich des Regierungsbezirks Düsseldorf, hat aber auch Kunden im Ausland. "Schönmakers ist aber unser Hauptgewerbekunde und ein verlässlicher Partner." In Kamp-Lintfort wird nicht nur Müll verbrannt. Man setzt auf die Mischung unterschiedlicher Entsorgungswege - wie die biologische, stoffliche und thermische Aufbereitung. "Das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Eine ähnliche Anlage, die ebenso vielfältig ist, gibt es nur in Augsburg", betont Peter Bollig.

360.000 Tonnen Gewerbe- und Hausmüll werden im Jahr auf dem Asdonkshof verwertet, 260.000 Tonnen verbrannt, davon sind 100.000 Tonnen Hausmüll. Auch Strom und Wärme werden vermarktet und verkauft. Dass der Bund der Steuerzahler den Asdonkshof jedes Jahr in seiner Liste der höchsten Gebühren aufnimmt, erschreckt den Geschäftsführer nicht mehr. Im Gegenteil: Er hat den Gebührenzahlern eine Perspektive zu bieten. "Die Anlage ist bis Ende 2020 abgeschrieben. Dann sind wir wettbewerbsfähiger. Und das werden auch die Bürger im Kreis Wesel in Form einer Gebührensenkung spüren."

In den vergangenen Jahren habe man, so Bollig, daran gearbeitet, die Kosten zu senken. Die Sortieranlage sei angepasst, die Deponie für die Entsorgungssicherheit ausgebaut und die Turbine optimiert worden. Insgesamt 170 Mitarbeiter beschäftigt der Asdonkshof. Dass die Anlage gut laufe, sei ihr Verdienst, sagt der Geschäftsführer. Das Entsorgungszentrum bildet auch aus - zur Fachkraft für Kreislaufabfallwirtschaft, zum Elektroniker, zum Industriemechaniker und zu Industriekaufleuten. Mit der Lineg hat das Entsorgungszentrum das Programm "Feuer und Wasser" initiiert, mit dem Schülern Einblicke in die Berufewelt beider Unternehmen geboten werden. So wirbt das Unternehmen um Nachwuchskräfte.

(RP)