Kamp-Lintfort: Ambulant betreutes Wohnen: Der Umzug in die Selbstständigkeit

Kamp-Lintfort : Ambulant betreutes Wohnen: Der Umzug in die Selbstständigkeit

Anfangs hat's ein paar Probleme gegeben. Mit Geld, Papierkram und so. Kennt jeder, der in die erste eigene Wohnung zieht und plötzlich auf eigenen Füßen steht. Anke und Jerome Zakrezewski sind da keine Ausnahme. "Aber das", sagt Anke Zakrezewski, "ist lange her." Genau zehn Jahre. Damals zog das Paar aus dem LVR-HPH-Wohnverbund in Kamp-Lintfort in eine kleine Mietwohnung.

Eine Entscheidung, die von Beiden Mut verlangt hat. Anke und Jerome Zakrezewski sind zwei Menschen mit Behinderung und leben im Ambulant Betreuten Wohnen. Also in ihrer eigenen Wohnung, aber mit Unterstützung durch Mitarbeiter des LVR-HPH-Netzes Niederrhein. Wobei Unterstützung nur selten gebraucht wird, nach zehn Jahren und einem Umzug ist das Ehepaar in seinem selbstbestimmten Leben angekommen und meistert den Alltag fast ohne Hilfe.

Rund zwei Dutzend Menschen werden in Kamp-Lintfort und Moers zurzeit im Ambulant Betreuten Wohnen durch das LVR-HPH-Netz Niederrhein begleitet, sagt Stefan Schubert, der Bezugsbetreuer von Jerome. Wer neu dazu kommt, braucht ein wenig Geduld. Der Wohnungsmarkt sei ziemlich leer gefegt. Der Tag der Zakrezewskis ist durchgetaktet, bereits vor sechs klingelt der Wecker, um halb acht kommt der Bus, der die heute 51-jährige Anke und ihren Mann Jerome (38) zur Werkstatt nach Rheinhausen bringt. Um halb fünf sind die beiden wieder daheim, dann muss vielleicht noch fürs Abendessen eingekauft werden, im Haushalt ist etwas zu erledigen.

Wenn die Zakrezewskis nichts vorhaben, zieht sich Musikfan Jerome in sein Musikzimmer zurück. Das ist der kleine Raum, in dem er seine rund 800 CD's untergebracht hat, viel Hip-Hop und Techno. Anke mag zwar Jeromes Musik, sie entspannt abends aber lieber vor dem Fernseher, zum Beispiel bei einer Kochsendung. Sie kocht sehr gerne, geht regelmäßig in einen Kochkurs zum Thema "gesunde Küche" und ist zuhause für die Mahlzeiten zuständig. "Aber Jerome hilft." Das hat er erst lernen müssen, genau wie die Mitarbeit im Haushalt. Der Terminkalender des Paares ist meistens gut gefüllt. "Kontakte zu anderen Menschen sind total wichtig", sagt Jerome. Zwischen vier und fünf Stunden pro Woche kommen die fürs Ambulant Betreute Wohnen zuständigen Mitarbeiter des LVR-HPH-Netzes Niederrhein ins Haus. Da wird viel geredet, "zum Beispiel über das, was bei der Arbeit passiert."

Wer auch den Schritt in die eigenen vier Wände wagen möchte, kann sich gerne bei Kira Jahn, zuständig für das Ambulant Betreute Wohnen in Moers und Kamp-Lintfort, unter 0152 09314598 oder per E-Mail an kira.jahn@lvr.de unverbindlich informieren.

(RP)