Am Kloster Kamp wächst neuer Wein

Anbau in Kamp-Lintfort: Ein alter Weinberg in neuer Blüte

Karl van de Kamp und sein Team haben in den vergangnen zwei Jahren 335 der 370 Rebstöcke vor dem Rokokosaal ersetzt. Zur Landesgartenschau 2020 wird der Weinberg blühen, und es wird neuen Kamper Wein zum Verkosten geben.

Karl van de Kamp produziert in seinem Keller den ersten Kamper Rebensaft seit fast 225 Jahren. „Er gurgelt und gärt“, freut er sich. „Es sind 15 Liter roter und 15 Liter weißer Rebensaft. Bis zum Im Frühjahr 2019 muss der Wein ruhen. Ich bin gespannt, wie er schmecken wird. Die ersten 30 Liter sind für die Verkostung.“ Es ist der erste Kamper Wein seit mehr als 200 Jahren. Bis 1794 hatte es auf dem heiligen Berg einen Weinberg gegeben, der von den Zisterziensermönchen um 1400 angelegt worden war, möglicherweise auch erheblich früher.

Doch dann flüchteten die meisten Mönche und kehrten nicht wieder zurück, als der linke Niederrhein während der Napoleonischen Kriege von französischen Truppen besetzt wurde. Was dann mit dem Weinberg geschah, der vor dem heutigen Rokokosaal am Kamper Berg lag, ist nicht bekannt. Als das Kamper Kloster 1998 sein 875-jähriges Jubiläum feierte, pflanzten Mitarbeiter einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme 370 neue Rebstöcke. Doch als die Maßnahme vorüber war, verwilderte der Weinberg, bis er 2013 von Jugendlichen in einer dreitägigen Big-Bagger-Aktion einmal vom Unkraut befreit wurde. „Wein ist eine sehr pflegeintensive Pflanze“, weiß Karl van de Kamp. „Wenn man nicht ständig im Berg ist, verwildert er schnell.“ Er arbeitete 35 Jahre lang für einen Winzer in Nierstein bei Mainz. Er scharte mit Hans Fritze und Marvin Wissen ein kleines Team um sich, das zum Geistlichen und Kulturellen Zentrums Kloster Kamp gehört. Seit 2015 verbringen die drei Weinbergmitarbeiter vor dem Rokokosaal zusammen Jahr für Jahr über 500 Stunden für Gottes Lohn. „Wir haben den Weinberg erst einmal vom Unkraut befreit“, blickt Hans Fritze zurück. Dann ersetzten sie fast alle Rebstöcke, da diese abgestorben waren. Sie pflanzten im Februar 2016, im Oktober 2016 und im Oktober 2017 insgesamt 335 neue Rebstöcke, besonders die Weißweinsorten Bianca und Phönix sowie die Rotweinsorte Muskat bleu. Dazu päppelten sie die verbliebenen 35 Rebstöcke von 1998 hoch, von denen die meisten roten Spätburgunder tragen. Außerdem legten sie eine Wildblumenwiese an.

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„Im Januar sind die Rebstöcke zu schneiden und zu binden“, erzählt Karl van de Kamp von den Jahreszeiten zwischen den Reben. „Im Frühjahr ist immer wieder zu grubbern, damit das Unkraut dem Wein nicht die Kraft wegnimmt. Im September oder im frühen Oktober ist Lese.“ Im nächsten Frühjahr stehen die jungen Rebstöcke, die dreijährig gepflanzt werden, erstmals in voller Blüte da. Karl van de Kamp erwartet 2019 eine mittleren Ertrag, aus dem Wein zum Verkosten entstehen soll.

2020 werden mehrere 100.000 Menschen in den Weinberg gehen, weil zwischen Altem Garten, östlicher Orangerie und Alter Schmiede am Abteiplatz für die Landesgartenschau 2020 ein Serpentinenweg angelegt wird, der ganz nahe an den 370 Rebstöcken vorbeiläuft. „Im Frühjahr wird der Weinberg in voller Blüte stehen, im Sommer Grün sein und im Herbst voller Trauben hängen“, freut sich Karl van de Kamp auf die Blicke der Laga-Besucher, die der Weinberg auf sich ziehen wird. „Dann wird er einen erheblichen Rebenertrag bringen“, erklärt der Experte auf dem Kamper Berg und ist begeistert.

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