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Kaarst: Zweifel an Facebook

Kaarst : Zweifel an Facebook

Der 19-jährige Maximilian Lohmann hat im sozialen Netzwerk Facebook einen Auftritt für seine Heimatstadt Kaarst geschaffen. Die Seite erweckt den Eindruck, als sei sie von der Verwaltung in Auftrag gegeben – obwohl sie's nicht ist. Über die aktuelle politische Diskussion zur Darstellung der Stadt im "Web 2.0" sprach unsere Zeitung mit Bürgermeister Franz-Josef Moormann.

Der 19-jährige Maximilian Lohmann hat im sozialen Netzwerk Facebook einen Auftritt für seine Heimatstadt Kaarst geschaffen. Die Seite erweckt den Eindruck, als sei sie von der Verwaltung in Auftrag gegeben — obwohl sie's nicht ist. Über die aktuelle politische Diskussion zur Darstellung der Stadt im "Web 2.0" sprach unsere Zeitung mit Bürgermeister Franz-Josef Moormann.

Herr Moormann, was halten Sie von der nicht-offiziellen Kaarst-Seite auf Facebook?

Moormann Die ist gut gemacht, keine Frage. Und im Grunde ist es ja auch sehr lobenswert, wenn sich jemand so für seine Stadt einsetzt. Was den Inhalt betrifft, haben wir natürlich ein Auge drauf, weil der — durch den offiziellen Anschein, den die Seite erweckt — in der öffentlichen Wahrnehmung womöglich auf die Stadt zurückfällt. Solange der Inhalt loyal und rechtlich in Ordnung ist, gibt es aus meiner Sicht aber auch keinen Anlass, die Existenz der Seite zu unterbinden.

Muss denn eine öffentliche Institution heute nicht bei Facebook sein?

Moormann Vorbehaltlich weiterer Erkenntnisse — von mir aus können wir das als Stadt Kaarst gerne machen. Ich sage aber auch: Wir werden dort wahrscheinlich nie das demokratische Meinungsbildungsphänomen entwickeln können, das wir in politischen Diskussionen haben und brauchen.

Das heißt?

Moormann Dazu gibt es soziologische Betrachtungen. Diesen zufolge ist Facebook ein Instrument, das eher auf die direkte und kurzfristige Diskussion von Individualpersonen ausgerichtet, und damit nicht unbedingt für den politischen Bereich geeignet ist. Bei einem Thema wie der Nahversorgung in Büttgen zum Beispiel, das sich über Monate und Jahre erstreckt, braucht es deshalb meiner Meinung nach anderer Foren, zum Beispiel eines, wie es auf unserer Internetseite für das Gewerbegebiet Kaarster Kreuz geschaffen wurde. Grundsätzlich haben wir, was Neue Medien betrifft, also überhaupt keine Berührungsängste.

Grundsätzlich sind Sie beim Thema Facebook aber eher zurückhaltend ...

Moormann Für mich als Bürgermeister geht es an dieser Stelle um die Kommunikation der Stadt mit der Öffentlichkeit und die Frage, wie gehen wir an dieser Stelle damit richtig um. Wer soll wann und wo auftreten? Wer kümmert sich? Ist gewünscht, dass die Repräsentationsfigur Bürgermeister überall einsteigt? Oder nur die Stadt? Das muss erst einmal geklärt werden, und darum kümmern wir uns jetzt.

Und was sagt Franz-Josef Moormann, die Privatperson?

Moormann Mir ist klar, dass ich, wenn ich nicht bei Facebook bin, eine Menge Leute, die sich im Netz bewegen, auf diesem Weg nicht erreiche. Das heißt, mit nahender Wahl muss ich mich natürlich fragen: Werde ich jetzt auch ein Facebooker? Im Moment würde ich sagen: Ich stecke meine Energie lieber in Sach- als in Darstellungsthemen.

(NGZ/ac)