Kaarst: Zwei Erstsemester, zwei Geschichten

Kaarst : Zwei Erstsemester, zwei Geschichten

Jonas Clemm aus Kaarst und Alexandra Kochler aus Jüchen haben im Sommersemester 2015 ihr Studium an der Fachhochschule Düsseldorf begonnen. Der 28-Jährige und die 19-Jährige sind ganz unterschiedliche Wege gegangen.

13 Jahre. 13 Jahre liegen zwischen seinem Realschulabschluss und seinem Studienbeginn. Jonas Clemm sieht darin keinen Nachteil. Er habe viel Erfahrung gesammelt, diverse Bereiche kennengelernt, habe einfach eine Rundum-Sicht, sagt der 28-Jährige. Das habe er seinen mitunter zehn Jahre jüngeren Kommilitonen an der Fachhochschule Düsseldorf (FH) voraus. Und der Kaarster hatte einen klaren Plan für sich. Diesen verfolgt er noch immer.

Vor wenigen Wochen hat an den Fachhochschulen, einen Monat früher als an den Universitäten, das Sommersemester 2015 begonnen. Für tausende Studenten war dies gleichbedeutend mit einem großen Schritt. Neue Umgebung, neue Fächer, neues Lernen. Mehr Selbstständigkeit. Alles irgendwie größer.

Jonas Clemm hat sich auf sein Studium im Bereich Business Administration an der FH Düsseldorf über viele Jahre gezielt vorbereitet. Er sieht heute auch aus wie ein Student: Kapuzen-Pulli, Käppi, dichter Vollbart, wache Augen. Für ihn habe immer schon festgestanden, dass er einst studieren möchte.

Jonas Clemm (28) aus Kaarst wollte sich zunächst gezielt auf den Start an der FH vorbereiten. Foto: Tinter, Anja (ati)

Nach seinem Realschulabschluss absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel bei Aldi. Anschließend arbeitete er bei Saturn. Sein Wehrdienst eröffnete ihm - neben seiner Berufsqualifikation - schließlich die erhoffte Chance zum Studium. Er verpflichtete sich für acht Jahre. Somit kann Clemm die Berufsförderung der Bundeswehr nutzen. Die Finanzierung seines Studiums ist damit zumindest für drei Jahre gesichert.

"Die Entscheidung, mich zu verpflichten, fiel zu 50 Prozent wegen des geplanten Studiums", sagt der Wirtschafts-Student rückblickend. Auch das hohe Gemeinschaftsgefühl sowie die vielen Herausforderungen hätten ihn gereizt. Der gebürtige Neusser wurde primär in der Logistik eingesetzt.

Seit einigen Wochen stehen nun bereits Bilanzierung, Statistik, Finanzmathe sowie Mikro- und Makroökonomik auf seinem Stundenplan. Sein Studium sei genau, wie er es sich vorgestellt habe, berichtet der Erstsemester, der mit seiner Freundin in Kaarst wohnt. Er mag wegen der großen Realitätsnähe besonders die Volkswirtschaftsfächer. An dem Wirtschaftsstudium selbst schätzt er den vielseitigen Aufbau und die Informationsfülle. Ob er dem Bachelor auch einen Master folgen lassen wird, wisse er noch nicht. Alles eine Frage der Notwendigkeit und Finanzierung.

Alexandra Kochler (19) - sie mag's bunt: rote Hose, gelbe Jacke, blaue Ohrringe - ist einen deutlich anderen Weg gegangen. Sie hat an einem Berufskolleg in Verbindung mit einem halbjährlichen Praktikum bei einer Bank ihr Fachabitur erworben. Dann folgte direkt der Studienbeginn. Die Gemeinsamkeit zu Jonas Clemm: Sie studiert ebenfalls an der FH Düsseldorf, ebenfalls im Bereich Business Administration.

Bereits seit ihrer Kindheit habe sie irgendwann einmal studieren wollen. Nun hat sie sich diesen Wunsch erfüllt. Die Jüchenerin ist bislang vollends zufrieden: "Es ist momentan einfach perfekt, wie es läuft." Die Vorlesungsinhalte gefallen ihr, vor allem Makroökonomik. Dadurch erhalte sie wichtige Einblicke in wirtschaftliche Zusammenhänge. Sie lernt kontinuierlich und bereitet Vorlesungsinhalte nach.

Eine kleine Einschränkung erwähnt sie dann aber doch. Finanzmathe mag sie nicht. "Aber das mag irgendwie niemand", sagt sie schmunzelnd.

(NGZ)
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