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Zum Tag der offenen Archive war in Kaarst ein Einblick ins Magazin möglich.

Tag der offenen Archive in Kaarst : „Archivare sind nicht sammelwütig“

Zum Tag der offenen Archive gab es einen Einblick ins Magazin sowie Bücher mit historischen Themen.

Eine Folge des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs im Jahre 1999 war die Einführung des bundesweiten Tag der offenen Archive. Seit 2000 findet der nun alle zwei Jahre statt. Am Samstag war es wieder soweit. Freunden der Vergangenheit von Kaarst wurde einiges geboten.

Man sieht es nicht von außen und man ahnt es kaum: „Wir haben hier 1,6 Regalkilometer“, verriet Archivar Sven Woelke, der von drei Mitarbeitern unterstützt wird. Was er noch verriet: Es sei schon ein erhabenes Gefühl, zu archivierende Dokumente für die Ewigkeit zu bewahren. Womit Woelke überraschte: „Es stimmt nicht, dass Archivare unheimlich sammelwütig sind – im Gegenteil: Nur knapp jede zehnte Unterlage ist für uns archivwürdig. Wir sind also eher Aktenvernichter.“

Die Besucher erfuhren unter anderem, dass ein Stadtarchiv im Gegensatz zu einer Stadtbücherei eine Pflichtaufgabe ist. Während das Archiv auch von den Bürgern genutzt werden kann, ist das Magazin, der Lagerplatz der Archivarien, für sie tabu. Am Samstag bestand die Möglichkeit, sich einen Einblick zu verschaffen von der grauen Welt der archivierten Schriftstücke, einer Welt, die sehr viel Ordnungsliebe ausstrahlte. Die Luftaustauschanlage arbeitete gut hörbar. Die großen Räder der Fahrregalanlagen erinnerten an alte Tresore. Das Motto lautete diesmal etwas vollmundig „Kommunikation – von der Depesche bis zum Tweet“.

Daraus leitet Sven Woelke eine „große Zukunftsaufgabe“ ab: Die besteht darin, wie digitale Unterlagen dauerhaft im Archiv gesichert werden können. Im Archiv, vor allem aber in der Rathausgalerie, waren diejenigen versammelt, die sich nicht nur einmal alle zwei Jahre für die Geschichte ihres Heimatortes interessieren: Siegfried Hämel aus Büttgen, Vorsitzender des Arbeitskreises „Heimatkundliche Schriftenreihe“ kündigte eine weitere Veröffentlichung an: „Ortwin Leitzke arbeitet gerade an dem zweiten Teil von „Die Evangelische Kirche in Büttgen“. Reinhold Mohr gab wertvolle Tipps für alle, die sich immer schon für Familienkunde interessierten und jetzt endlich loslegen wollen. Auf einem Tisch warteten Medien darauf, gratis mitgenommen zu werden, darunter das Standardwerk „Geschichte der Stadt Kaarst“. „Kaarst und Klever“ lag dort ebenfalls aus. „Viele Fotos sind von mir“, bemerkte Egon W. Vossen. Gottfried Theissen trifft sich mit Gleichgesinnten einmal im Monat im Stadtarchiv: „Geschichten in Straßen“ ist das Ergebnis ihrer Recherchen. Klaus Karl Kaster vom Kreisheimatbund hatte auf seinem Büchertisch so interessante Titel wie „Kriegsende 1945 im Rhein-Kreis Neuss“.