Kaarst: Zum Abschied gab's eine launige Predigt

Kaarst : Zum Abschied gab's eine launige Predigt

In der Auferstehungskirche verabschiedeten sich die evangelischen Gemeindemitglieder von Pfarrer Carsten Schraml, der nach 17 Jahren im Amt die Stadt verlässt. Als "Aushilfe" bleibt er der Gemeinde jedoch noch bis Juli erhalten.

Kein Platz blieb frei in der Auferstehungskirche, als Pfarrer Carsten Schraml am Sonntagmorgen zum Gottesdienst einlud. Viele Gemeindemitglieder waren gekommen, weil sie sich von ihrem Pastor verabschieden wollten, denn der Pfarrer wird Kaarst nach 17 Jahren verlassen.

Aber es ist ein Abschied auf Raten, denn Schraml geht noch nicht ganz. Zum 1. April tritt er eine halbe Stelle als Gefängnisseelsorger der Justizvollzugsanstalt Köln an. Da seine Pfarrstelle in Kaarst zunächst vakant bleibt und in den kommenden Monaten die Konfirmation sowie das 50-jährige Jubiläum der Auferstehungskirche an der Grünstraße gefeiert werden, hat sich Schraml noch bis Juli sozusagen als Aushilfe in der evangelischen Kirchengemeinde Kaarst angeboten. Das Presbyterium hat dies gerne angenommen.

Als Schraml zu diesem besonderen Gottesdienst auf die Kanzel trat, gestand er ein: "Ich stehe hier ohne schriftliches Konzept." Dabei hatte er als junger Theologe gelernt, dass man dadurch schnell in Plattitüden verfalle und sich wiederhole. Sein im Kopf zurechtgelegtes Konzept und ein Laib Brot reichten dennoch aus, und so bekamen die Gemeindemitglieder eine launige Predigt mit nachdenklichen Momenten zu hören. Lachen war in diesem Gottesdienst erlaubt, als Schraml Werbung für die Kirchensteuer machte. Ruhigere Töne klangen an in seiner Sorge aufgrund der wachsenden Entsolidarisierung unter den Gläubigen. "Auch eine wohlbehüteten Stadt wie Kaarst erreichen die Probleme der Welt", sagte er.

Vor 17 Jahren trat Carsten Schraml in der evangelischen Kirchengemeinde Kaarst seine erste Pfarrstelle an. Als "junger, dynamischer Theologe mit Faltrad" haben ihn die Menschen damals kennengelernt. Seine Kreativität und Spontaneität zeichneten ihn all die Jahre aus. Mit Gitarre und Verständnis begeisterte er die jungen Leute, von Studienreisen nach Israel und Indien brachte er neue Erfahrungen in seine Heimatgemeinde mit. Vor 13 Jahren gründete er die Ökumenische Notfallseelsorge im Rhein-Kreis Neuss, vor sechs Jahren übernahm er die Aufgabe als Seelsorger der Freiwilligen Feuerwehr in Kaarst. Dafür trat er dem Löschzug Kaarst bei, absolvierte freiwillig eine 160-stündige Ausbildung und trägt heute den Dienstgrad des Oberfeuerwehrmanns. Schraml selbst sagt, eine stete Herausforderung seiner Generation sei immer gewesen, Strukturen zu verändern, um mit dem vorhandenen Geld auszukommen. Daraus folgte eine der größten Aufgaben seiner Amtszeit, nämlich die Fusion der drei Kirchenbezirke in der Stadt Kaarst zu einer Großgemeinde vor zwei Jahren.

Seinen Wechsel nach Köln in die Gefängnisseelsorge begründet er aus rein persönlicher Natur. Mit 50 Jahren möchte Carsten Schraml nun noch einmal einen Neuanfang wagen. "Der Abschied macht mich traurig, aber ich freue mich auch auf die neue Herausforderung. Mit jedem Ende beginnt auch etwas Neues", sagte er. Im Kreise des Presbyteriums wurde Pfarrer Schraml von seinen Pflichten offiziell entbunden.

(NGZ)