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Kaarst: Zentrum warnt vor Überflutung in Kaarst

Kaarst : Zentrum warnt vor Überflutung in Kaarst

Ein Foto aus dem Jahr 1947 beweist: Damals standen die Weiler- und Buscherhöfe in Büttgen unter Wasser.

Überflutete Innenstädte, Straßen, in denen das Wasser den Menschen bis zur Hüfte steht — die Bilder des Elbe-und Donauhochwassers von vor ein paar Monaten sind noch im Kopf. Zurück blieben Zerstörung und Milliardenkosten. Wer in Kaarst wohnt und bislang dachte, so etwas könne ihm — wegen ausreichenden Abstands des eigenen Heims zum Rhein — nicht passieren, wird jetzt von Josef Karis eines Besseren belehrt.

Kaarst: Zentrum warnt vor Überflutung in Kaarst
Foto: Berns, Lothar (lber)

Im Zeitungsarchiv der Rheinischen Post ist der Ratsherr (Zentrumspartei) auf einen Bericht aus dem Jahr 1947 gestoßen, der belegt, dass Kaarst keineswegs sicher ist vor Überflutung und Schlamm. Zwei Meter hoch stand das Wasser damals in den Weiler- und Buscherhöfen in Büttgen. Ein Foto beweist die Brisanz der Situation. "Die gesamte Stadt ist damals abgesoffen", sagt Karis. Und: "Das kann uns morgen wieder passieren!" Schuld daran sei der Zustand des Nordkanals.

Seit mehr als zehn Jahren kämpft die Zentrumspartei — neben anderen Parteien und Vereinen — für die "Grundreinigung" des Gewässers in Kaarst. Zentrumschef Josef Karis sieht in der Entschlammung, deren Finanzierung der hauptsächliche politische Streitpunkt ist, nicht nur ein ökologisches Muss, sondern einen Verpflichtung aufgrund europäischer Richtlinien.

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Seit den 1970er Jahren, sagt er, sei dem Vorflutersystem, zu dem auch der Nordkanal gehöre, und den dazugehörigen Gräben keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt worden. "Letztere wurden teilweise zugeschüttet oder verbaut. Im Falle eines Hochwassers würde das dazu führen, dass das Wasser nur stark verzögert abläuft. Straßen und Häuser ständen entsprechend lange unter Wasser." Was die Frage aufwirft: Ist es tatsächlich möglich, dass Kaarst "untergeht"?

Die Verwaltung sieht die Gefahr einer Rhein-Überschwemmung für das Stadtgebiet — wenn überhaupt — nur für den nordöstlichen Rand, im Bereich Broicherseite, und beruft sich dabei auf die Hochwasserrisikomanagement-Planung das Landes NRW. "Diese Einschätzung", sagt Karis, "bezieht sich allerdings nicht auf einen möglichen Deichbruch zwischen Neuss und Köln." Diesbezüglich stehe eine Antwort noch aus. Dass es ohnehin nicht unbedingt der Rhein sein muss, der bei einem Deichbruch bis Kaarst vordringt, beweist das Hochwasser von 1947. Dieses, sagt Karis, sei ein Beispiel dafür, wie durch extreme Regenfälle und Tauwetter in Büttgen und Holzbüttgen eine Flut-Katastrophe entstehen kann. Die gesamte Region sei damals mehr als 50 Zentimeter unter Wasser gesetzt worden. Grund sei der nicht vorhandene Geländeanstieg.

Mit der Hochwasser-Dokumentation will Josef Karis aus seiner Sicht dringend nötige "Überzeugungsarbeit" leisten. "Das Ausbaggern des Nordkanals", sagt er, "würde dazu beitragen, dass der Grundwasserspiegel sinkt. Das würde vor allem die Hausbesitzer freuen, denen zurzeit ständig die Keller volllaufen."

(NGZ)