Kaarst: Zahlen belegen: Kaarst ist keine Schlafstadt mehr

Kaarst: Zahlen belegen: Kaarst ist keine Schlafstadt mehr

Wirtschaftsförderer Christoph Schnier hat im Hauptausschuss die Wirtschaftskennzahlen für Kaarst vorgestellt. Die sehen nicht schlecht aus.

Seit mittlerweile einem halben Jahr ist Christoph Schnier "der" Mittelsmann zwischen Unternehmen und Verwaltung bei der städtischen Wirtschaftsförderung. In dieser Zeit hat er sich in die wirtschaftlichen Strukturen vor Ort eingearbeitet. Gibt es neben den Weltkonzernen wie Ikea und Parker Hannifin auch sogenannte "Hidden Champions" in Kaarst? Und: Welche Branchen prägen die gerne als Erfolgsstandort bezeichnete Stadt? Das sind nur zwei Fragen, mit denen sich der neue Wirtschaftsförderer auseinandergesetzt hat.

Die Informationen dazu sind in einer Datenbank mit fast 950 Einträgen gespeichert - ein repräsentatives Bild, sagt Schnier, aber ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Im Hauptausschuss stellte er die wichtigsten Fakten vor. Firmen Aktuell sind der Wirtschaftsförderung 942 Unternehmungen bekannt. 525 davon sind im Stadtteil Kaarst ansässig, 177 in Holzbüttgen, 150 in Büttgen, 82 in Vorst und acht in Driesch. Branchen Mit 318 Betrieben ist der Handel in der Stadt Kaarst am stärksten vertreten.

Hierzu zählen auch das Versandgeschäft und die Kfz-Reparatur. Baugewerbe (108) und freiberufliche Dienstleistungen (107) halten sich die vage; weitere Dienstleister wie Reisebüros oder Garten-Landschaftsbaubetriebe laufen unter "Sonstige". Im Gastgewerbe sind 54 Unternehmungen in der Datenbank der Wirtschaftsförderung hinterlegt. Beschäftigte Das Statistische Landesamt IT.NRW hat zuletzt 8407 sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter in Kaarst registriert; 82 Prozent oder 6946 Personen sind in den Dienstleistungsbranchen tätig.

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Die das städtische Bild mitprägende Landwirtschaft beschäftigt 114 Mitarbeiter. Im Hinblick auf den demografischen Wandel prognostizieren die Statistiker der Stadt Kaarst bis 2030 eine stabile Bevölkerungszahl, allerdings werde der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter von 18 bis 65 Jahre auf 47 Prozent sinken, heißt es. Entwicklung Nach einem Einbruch in den Jahren der Finanzkrisen 2008 und 2009 hat die Zahl der Betriebe inzwischen wieder das Niveau von vor knapp zehn Jahren erreicht.

Demgegenüber ist die Anzahl der Beschäftigten allerdings um zehn Prozent gestiegen. Die jüngste Tendenz hat gezeigt, dass es mehr Neugründungen als Geschäftsaufgaben gegeben hat, aber auch mehr Wegzüge aus Kaarst als Zuzüge. Fazit Die Zahlen belegen, dass der Wirtschaftsstandort Kaarst sehr dienstleistungsorientiert ist. Die Gründe für den Wegzug von Unternehmen sind ein Ansatzpunkt für die Wirtschaftsförderung. "Ich merke bereits jetzt in meiner täglichen Arbeit, dass es gar nicht so einfach ist, Anfragen zu Expansionen hier gerecht zu werden", so Christoph Schnier.

Einen weiteren Denkanstoß, auch im Hinblick auf die Sicherung von Fachkräften, geben die Pendlerströme: 11 900 Kaarster Bürger arbeiten außerhalb, 6284 Beschäftigte kommen für ihren Job in die Stadt. In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Einpendler stark gestiegen, während die Zahl der Auspendler moderat zurückging. Beides spricht somit gegen den alten Status der "Schlafstadt".

(stef)
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