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Wolf-Rüdiger von der Fecht - der Insolvenzexperte für die ganz großen Fälle

Kaarst : Der Insolvenzexperte für die ganz großen Fälle

Wolf-Rüdiger von der Fecht hat die Nachrichtenagentur dapd saniert. In Büttgen kämpft er gegen einen Supermarktneubau am Berliner Platz.

Zu Hause in Büttgen kennen ihn die Nachbarn als Familienvater, als ebenso kritischen wie engagierten Bürger und Gründungsmitglied der Initiative gegen den Supermarktneubau am Berliner Platz. Die deutsche Medienbranche kennt Wolf-Rüdiger von der Fecht seit Oktober vergangenen Jahres als den Mann, der die bis dato zweitgrößte deutsche Nachrichtenagentur dapd saniert hat. Als unabhängiger Geschäftsführer manövrierte von der Fecht das zahlungsunfähige Unternehmen innerhalb von nur drei Monaten durch das vorläufige Insolvenzverfahren. Am Ende mussten rund 100 von 300 fest angestellten dapd-Journalisten gehen, darunter auch Ressortleiter und Mitglieder der Chefredaktion.

Dort, wo der promovierte Jurist und Insolvenzexperte "aufgeräumt" hat, gibt es über sein Wirken unterschiedliche Ansichten. "Wir haben im Redaktionsbereich die Treppe von oben gekehrt", sagt er, und schiebt sich selbstbewusst die moderne, dunkel umrandete Brille zurecht. "Es braucht nämlich nicht immer viele Häuptlinge. Die Arbeit muss gemacht werden – das ist wichtig."

Wenn Wolf-Rüder von der Fecht ein "Projekt" angeht, dann macht er das analytisch, nicht komplett emotionslos, aber – aus einer knallharten ökonomisch-betriebswirtschaftlichen Erwägung heraus. Nach seinem Studium hat er vier Jahre lang als Manager bei der Deutschen Bank in Frankfurt gearbeitet. Um herauszufinden, ob ein angeschlagenes Unternehmen überhaupt noch marktfähig ist, sagt er, müsse man auch mal Mitarbeiten aus der zweiten oder dritten Reihe zuhören können. "Oft wissen die nämlich schon längst, wo das Problem liegt."

Die Nachricht von der Insolvenz ihres Arbeitgebers traf die Mitarbeiter der dapd vollkommen unvermittelt. Anfang Oktober stimmte das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zu. Die Finanzinvestoren Martin Vorderwülbecke und Peter Löw hatten den Geldhahn zugedreht, und das, obwohl die Agentur kurz vorher noch auf Expansionskurs war. 2009 hatten sie den Deutschen Depeschendienst (ddp) übernommen, dann kauften sie den deutschen Ableger der US-Agentur Associated Press (AP) dazu. 2010 verschmolzen ddp und AP zu dapd. Die neue Agentur wuchs ständig, gab mehr und mehr Journalisten einen Job. Doch selbst ein Auftrag des Auswärtigen Amts konnte das Finanzloch am Ende nicht schließen. "Die beiden Investoren haben mit der Nachrichtenagentur in den vergangenen zwei Jahren Monat für Monat eine Million Euro Verlust gemacht", sagt von der Fecht. Trotzdem sah er eine Chance, einen großen Teil des Geschäfts der Nachrichtenagentur erhalten. Ende Dezember war seine Hauptarbeit getan. Von der Fecht legte er den Geschäftsführerposten nieder, Sachwalter Christian Köhler-Ma übernahm und präsentierte den Medienmanager Ulrich Ende als neuen Investor.

Mit dem "Kapitel dapd" ist für Wolf-Rüdiger von der Fecht eine extrem arbeitsreiche Phase fast abgeschlossen. Vier Tage pro Woche war er Ende vergangenen Jahres in Berlin. Der kurze, aber tiefe Einblick in eine ihm fremde Branche, das Mittendrinsein im Berliner Politik- und Mediengeschäft: Es war eine spannende Zeit", sagt er. Jetzt warten neue Aufträge. Und der Kampf gegen den Supermarkt am Berliner Platz – selbstverständlich.

(NGZ)