1. NRW
  2. Städte
  3. Kaarst

Kaarst: Wohnen wie im Paradies

Kaarst : Wohnen wie im Paradies

Das Leitbild des Vinzenz-Hauses lautet: "In der Mitte der Mensch". Das Wohnen steht an erster Stelle. Das Haus bietet 107 Senioren ein Zuhause in 63 Einzel- und 22 Doppelzimmern.

In diesen Tagen weihnachtet es sehr im Vinzenz-Haus. In der ersten Etage ist die kleine Backstube geöffnet. Die Bewohner rollen den Teig platt, stechen Motive aus und verzieren sie mit Streuseln. Wenig später zieht der erste Duft von frisch gebackenen Plätzchen durch den Flur. Zu einer anderen Stunde trifft sich der Singkreis: Natürlich stehen jetzt Weihnachtslieder auf dem Programm. In der Literaturgruppe wird Bewohnerin Irene Rolofs Gedichte und Balladen zum Advent vorlesen.

Das Vinzenz-Haus im Kaarster Norden wurde 1995 eröffnet. Es bietet 107 Bewohnern ein Zuhause in 63 Einzel- und 22 Doppelzimmern. Die hohe Anzahl an Doppelzimmern ist noch eine Altlast aus der Bauzeit des Hauses, als das Land diese noch forderte. Man sei in der Planung, dies in naher Zukunft zu ändern, sagt Leiter Detlef Rath. Das Leitbild des Vinzenz-Hauses lautet "In der Mitte der Mensch". Das Wohnen steht an erster Stelle.

Für eine besondere Atmosphäre sorgt zurzeit eine kleine Winterwelt im Aufenthaltsraum, im Frühling und Sommer ist der Sinnesgarten ein beliebter Aufenthaltsort für die Bewohner. Dort können sie den Duft der Blumen riechen, die bunten Farben der Blätter sehen und Beeren von den Sträuchern schmecken. Haustiere sind sehr willkommen. Jeden Tag sind drei bis sechs Hunde von Mitarbeitern und Angehörigen im Haus unterwegs. Manche Senioren ziehen mit ihren Katzen und Sittichen ein. In zwei Wohnbereichen stehen zwei Vogelvolieren. Neben einigen festen Gruppenterminen wie Sitzgymnastik, Gedächtnistraining oder Bastelkreis werden die Angebote sehr flexibel gehalten. Die Mitarbeiter — insgesamt 120 plus rund 40 Ehrenamtliche — gehen individuell auf die Bedürfnisse der Senioren ein, insbesondere bei der Betreuung dementer Bewohner. "Wenn ein Mann früher Handwerker war, wird dies in den Alltag mit eingebaut", sagt Maike Bodden, Koordinatorin des Sozialen Betreuungsdienstes. Wenn wiederum mehrere Bewohner den Wunsch äußern, mal wieder ins Schwimmbad gehen zu wollen, wird dies für sie kurzfristig organisiert.

Nicht selten hören die Mitarbeiter dies von Irene Rolofs und Ruth Aust. "Wir beide sind wassersüchtig, wollen immer ins Schwimmbad", sagt Rolofs. Die 84-Jährige lebt seit drei Jahren im Vinzenz-Haus und hat einen ausgefüllten Tag. "Ich muss immer auf den Kalender schauen, was heute ansteht. Es ist immer etwas los, aber das ist auch schön", sagt sie. Gerne lässt sich die Dame von den Mitarbeitern verwöhnen. "Ich lebe hier wie im Paradies." Irene Rolofs gibt aber auch etwas zurück, denn die frühere Lehrerin hat die Literaturgruppe ins Leben gerufen.

(NGZ)