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Kaarst: Wo Schüler "Ernährung" lernen

Kaarst : Wo Schüler "Ernährung" lernen

Durch das Essen eines Großanbieters ausgelöste Magen-Darm-Probleme haben eine Debatte um den Wert des Schulessens entfacht. An der Kaarster Matthias-Claudius-Schule wird in der eigenen Küche jeden Tag frisch gekocht.

Es sind Nachrichten wie diese, die Eltern verunsichern: Anfang Oktober hatten deutschlandweit mehrere tausend Kinder und Jugendliche mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen. Auslöser dafür war offenbar verunreinigtes Essen eines Großanbieters für Kita- und Schulessen aus Thüringen. Nach Angaben des Berliner Robert Koch-Instituts waren insgesamt rund 4000 Mädchen und Jungen aus Sachsen, Thüringen, Berlin und Brandenburg betroffen. Seither wird die Debatte um den Wert des Schulessens in Deutschland wieder ernsthaft geführt. An der Matthias-Claudius-Grundschule wohlgemerkt ist das keine Thema. Für die Kinder aus dem offenen Ganztagsangebot (Ogata) wird dort seit sieben Jahren in der eigenen Küche jeden Tag frisch gekocht.

An diesem Vormittag hat Diplom-Ökotrophologin Michaela Koch ein echtes Lieblingsessen vorbereitet. Es gibt Pizza — mit und ohne Spinat im Verhältnis eins (Bleche) zu drei, dazu grünen Salat mit Joghurtsauce und zum Nachtisch ein Schälchen Schokopudding. "Ich achte sehr darauf, die Ernährungsbedürfnisse der Kinder zu erfüllen. Es gibt jeden Tag frisches Gemüse und Obst und es wird kindgerecht gekocht, denn natürlich müssen die Kinder das Essen auch annehmen", sagt Koch. Fleisch steht deshalb meist nur zweimal pro Woche auf dem Speiseplan, dafür gibt es viele vegetarische Angebote. Eintopf zum Beispiel. Oder selbst gemachtes Kartoffelpüree. 25 Kilo Kartoffeln muss Koch dafür unter Umständen schälen. Fertige oder vorbereitete Produkte kommen der Ernährungsexpertin grundsätzlich nicht in den Topf. Das Fleisch stammt vom örtlichen Metzger, Obst und Gemüse weitestgehend von lokalen Bauernhöfen, Mehl- und Kornprodukte aus biologischem Anbau. "Die Akzeptanz", sagt die stellvertretende Schulleiterin Miriam Eckel, "ist groß — bei den Kindern wie auch bei den Eltern." Bettina Stelzer, die gemeinsam mit anderen Eltern den Mittwochskiosk (s. Info) betreibt, sagt: "Zu wissen, dass meine Kinder mittags gut versorgt sind, ist für mich als berufstätige Mutter eine enorme Entlastung."

Seit Anfang März gibt es an der Matthias-Claudius-Schule auch eine Ogata-Arbeitsgemeinschaft. Dort bringt Ernährungsberaterin Christine Becker den Schülern alles rund um die Ernährungsgspyramide bei. Gemeinsam wird Vollkornmehl gemahlen, "starke Tomatensuppe" gekocht, aus Sahne Butter oder aus Milch Quark gemacht. Kinder lernen in der Schule "gesunde Ernährung" — wie der Fall aus Ostdeutschland zeigt, ist das keine Selbstverständlichkeit.

(NGZ/url)