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Kaarst: WM-Dritter mit Sportpistole

Kaarst : WM-Dritter mit Sportpistole

Jürgen Flaß aus Holzbüttgen ist erfolgreicher IPSC-Sportschütze: Seinen größten Erfolg feierte er jüngst mit der Bronzemedaille bei der WM auf Rhodos. Als Actionjunkie bezeichnet Flaß sich nicht.

Es könnte von einer Königsdisziplin im Schießen gesprochen werden. Mit dem IPSC-Sportschießen — zu Deutsch: praktisches Pistolenschießen — beginnt man, wenn das Präzisionsschießen auf Ringscheiben keine Herausforderung mehr ist.

Wer sich das Training dieser Sportschützen anschaut, glaubt bei der Polizei oder Bundeswehr zu sein. Auf ein Startsignal hin nimmt der Schütze seine Pistole aus dem Halfter, läuft über ein Gelände, versteckt sich hinter Barrikaden und nimmt verschiedene Ziele ins Visier.

Die US-Amerikaner betreiben IPSC als Profisport. Einer der besten in Deutschland und Europa ist Jürgen Flaß aus Holzbüttgen. Der zehnfache Deutsche Meister feierte jüngst seinen größten Erfolg mit der Bronzemedaille bei der WM auf Rhodos. Er wurde Dritter nach zwei US-Profis, und unter 1050 Teilnehmern. Die WM ging über eine Woche mit 30 Hindernisläufen. Für den Aufbau eines Parcours gibt es keine Vorgaben. Kurz vor Wettkampfbeginn bekommen die Sportler eine Info über die Anforderungen, die sie erfüllen müssen.

"Dann habe ich fünf Minuten Zeit, mir zu überlegen, wie ich den Kurs ablaufe, um so gut und so schnell wie möglich zu treffen", sagt Flaß. "Kurz vor dem Start ist man voller Adrenalin. Doch dann muss man mit möglichst ruhigem Gemüt den Parcours ablaufen." Der 51-Jährige tritt in der modifizierten Klasse an. Seine Großkaliberpistole muss lediglich in eine Metallkiste bestimmter Größe passen, ansonsten sind alle Veränderungen erlaubt.

"Meine Pistole hat einen schweren Ganzstahlgriff. Je größer die Masse, umso mehr Energie vom Rückschlag wird aufgefangen", erklärt er. Außerdem hat Flaß ein Reflexvisier für das Zielen mit einem Leuchtpunkt aufgeschraubt. Vor 25 Jahren fing er mit IPSC an. Den ruhigen Ausgleich zu dieser dynamischen Sportart findet Jürgen Flaß, wenn er an seiner Pistole bastelt. Da er nebenberuflich auch als Büchsenmacher arbeitet, gleicht sein Keller einem großen Waffenschrank.

Der Raum ist von der Polizei abgenommen: Die Fenster sind vergittert, an der Tür mit Spezialschloss ist eine Alarmanlage mit Direktverbindung zu einem Sicherheitsdienst installiert. Der 51-Jährige weiß, dass sein Sport immer skeptisch beäugt wird. In Deutschland wird IPSC in einer abgespeckten Version betrieben, es wird nicht auf Ziele mit menschlicher Gestalt geschossen. Zudem liegt das Eintrittsalter bei 25 Jahre und zu Beginn muss ein psychisches Gutachten abgegeben werden.

Als "Actionjunkie" sieht Flaß sich nicht — er sikutiert gern kontrovers über seinen Sport.

(NGZ/rl)