Kaarst: Wildbienen brauchen menschliche Hilfe

Kaarst: Wildbienen brauchen menschliche Hilfe

Während sich der Bestand der Honigbiene dank zahlreicher Imker mittlerweile wieder erholt hat, leidet die Wildbiene unter anderem unter Nahrungsmangel. Menschen können helfen, in dem sie verschiedene Blumen pflanzen.

Schon Albert Einstein soll um die Bedeutung der Biene für den Menschen gewusst haben. "Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr", soll er gesagt haben.

Und was Einstein bereits 1949 wusste, ist mittlerweile auch in vielen Köpfen der heutigen Zeit angekommen. Gerade in den vergangenen Jahren haben sich viele Menschen dazu berufen gefühlt, sich der Imkerei zu widmen. Diesen Trend bemerkt auch Bienensachverständiger Gino Collica, der die Bezirke Düsseldorf, Mönchengladbach und den Rhein-Kreis Neuss betreut und gleichzeitig Vorsitzender des Bienenzuchtvereins ist.

Allein in Kaarst, wo der Verein sitzt, hat es im vergangenen Jahr 60 neue Anmeldungen gegeben, in Mönchengladbach 300. Positiv ist das zunächst mal für die Honigbiene. Denn sobald Cicolla sicher ist, dass ein Imker-Anwärter über genug Wissen verfügt, vertraut der Experte dem Interessenten ein eigenes Bienenvolk an. "Um die 250 Bienenvölker gibt es mittlerweile in Kaarst, 800-900 in Düsseldorf", weiß der Experte. Gefährdet sei diese Bienenart also nicht mehr. "Das ist erfreulich für die Honigbiene, es gibt aber auch noch rund 559 weitere Bienenarten, für die sich keiner interessiert", sagt Collica. Und um diese 559 Wildbienenarten steht es nicht besonders gut. "Darum wollen wir mit unserem Verein in diesem Jahr das Augenmerk besonders auf die Wildbiene legen", sagt Collica.

Die Gründe, warum es immer weniger Wildbienen gibt, seien die gleichen, die für das Sterben der Honigbiene verantwortlich sind. Pestizide und Monokultur auf den Feldern sind zwei der Gründe. "Die Vielfalt an Blumen ist nicht groß genug, so dass die verschiedenen Bienenarten ihre Nahrung finden", sagt Collica, der sich bereits seit frühster Kindheit mit Bienen beschäftigt.

Gegen dieses Problem wollten auch die Kaarster Grünen vorgehen, sind mit einem Antrag auf eine Wildblumenwiese allerdings gescheitert. "Wir wollen jetzt die Menschen privat dazu animieren, verschiedene Blumen in ihren Gärten zu pflanzen", sagt Christian Gaumitz, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Er und seine Mitstreiter stellten vermehrt fest, dass die Menschen ihre Vorgärten regelrecht zupflastern würden.

Diese Entwicklung ist auch Collica aufgefallen. "Das Problem ist, dass die Menschen zu wenig nachdenken. Jeder ist auf seinen Vorteil bedacht, aber niemand denkt darüber nach, was sein Handeln für Konsequenzen hat", sagt er. Auch die Imker selbst schließt er von seiner Kritik nicht aus. Diese müssten beispielsweise darauf achten, dass sie ein Bienenvolk nicht in der Nähe eines Naturschutzgebietes hielten, weil Honigbienen bereit sind, für Futter bis zu fünf Kilometer zu fliegen, Wildbienen hingegen nur einen Kilometer. "Dann kann es zu einer Konkurrenz-Situation kommen, aus der einzelne Bienen im Vergleich zu einem ganzen Volk natürlich als Verlierer hervorgehen. Auch sei die richtige Pflege eines Bienenvolkes essenziell wichtig, da diese von Krankheiten befallen sein könnten, die sich auf andere Völker übertragen. Ein Bienensterben wäre die Folge. Auf die Politik will sich Cicolla nicht verlassen. "Wir können die Politiker nicht dazu zwingen, Pestizide zu verbieten, darum haben wir eine Gegeninitiative gestartet und leisten Aufklärungsarbeit."

(NGZ)