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Kaarst: Weiter Ärger um Stadtparkhalle

Kaarst : Weiter Ärger um Stadtparkhalle

Für die Kratzer im Boden der nagelneuen Sporthalle hat der Skater-Hockey-Club Crash Eagles die Verantwortung übernommen. Jetzt gibt es neue Schäden. Um die Verursacher zu ermitteln, wird jetzt ein Hausbuch geführt.

Sie sollte ein Kaarster Vorzeigeobjekt sein: hell, farbig, multifunktional, energieeffizient — mit Platz für 600 Zuschauer. Aus Sicht der Stadt ist derzeit allerdings eher zu wünschen, dass Gäste von außen nicht so genau hinschauen. Sie könnten sich fragen, was in Kaarst schief läuft. Gut vier Monate nach der Eröffnung der Stadtparkhalle offenbart sich dort ein Bild, das nicht zu "nagelneu" passt: der teure, elastisch gelagerte Linoleumboden voller Schlieren und Kratzer, abgeplatzte Farbe an der Wand, ein aus der Verankerung gerissenes Fangnetz, eine tiefe Kerbe in einer Bandentür. Ein Aushängeschild sieht anders aus.

Rund 4,6 Millionen Euro hat der Hallenneubau im sogenannten Passivhausstandard de facto gekostet — etwa eine halbe Million Euro mehr als ursprünglich geplant. Knapp 2,2 Millionen Euro wurden über Fördermittel aus dem Konjunkturpaket II abgedeckt, 2,4 Millionen Euro hat die Stadt aus eigener Tasche bezahlt. Der Vorstand der Handballgemeinschaft Kaarst-Büttgen bringt in einer Presseerklärung jetzt das Stichwort "Steuerzahler" ins Spiel.

Angesichts der zunehmenden Problematiken im Hinblick auf den Umgang mit der Stadtparkhalle sei man besorgt, heißt es dort. Insbesondere vom Ersten Beigeordneten und Sportdezernenten Heinz Dieter Vogt habe man sich eine klare Aussage zum Thema Nutzerverhalten erwünscht, zumal Vogt als Kämmerer auch um die Finanzsituation der Stadt Kaarst wisse. Neben Spuren, die von einem Gutachter als Gebrauchsspuren deklariert wurden, seien Beschmutzungen und Beschädigungen am Boden der Sporthalle nicht zu übersehen.

"Eine Sporthalle, die bereits wenige Monate nach ihrer Eröffnung derartige Mängel aufweist, dürfte nicht im Interesse der Stadt als Eigentümerin sein — zumal hier leichtfertig mit Steuergeldern umgegangen wird, weil andauernde Nachbesserungen und die regelmäßige Erneuerung des Hallenbodens stets zulasten der Stadtkasse und damit aller Bürger in Kaarst gehen werden", sagt Melanie Hinzpeter, HG-Vorstandsmitglied.

Für die durch scharfkantige Tore entstandenen Kratzer im Linoleumboden hat der Skater-Hockey-Club Crash Eagles mittlerweile die Verantwortung übernommen. Für die Wiederherstellung will der Verein aufkommen. Weil die Markierungen komplett erneuert werden müssten, passiert diesbezüglich allerdings erst mal nichts. "Aufwand und Nutzen", sagt Vogt, "stehen in keinem Verhältnis. Die Crash Eagles zahlen einen kleinen Betrag in eine gemeinnützige Kasse. Ein bisschen Erziehung muss schließlich sein."

Den Urhebern künftiger Schäden will die Stadt nunmehr durch engmaschige Kontrollen auf die Schliche kommen. Neben einem Transponder-System wird jetzt auch ein sogenanntes Hausbuch geführt. Wer die Halle übernimmt, muss den Zustand "quittieren". Der Verursacher einer gerade entdeckten Kerbe in einer Bandentür ist indes noch nicht bekannt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mängel in der Sporthalle

(NGZ/ac)