Kaarst: Walter Urbach neu entdecken

Kaarst: Walter Urbach neu entdecken

Anlässlich seines 85. Geburtstags präsentiert der erfahrene Maler derzeit die Ausstellung "Mohn für Kaarst" in der Städtischen Galerie im Rathaus Büttgen. Zum ersten Mal sind auch Farbradierungen zu sehen

Großformatige Aquarelle, Monotypien und Radierungen in ungewohnt hellen Farben: Walter Urbach macht zurzeit in der Städtischen Galerie im Rathaus Büttgen deutlich, dass er als Maler längst noch nicht zum "alten Eisen" gehört, auch nicht als Mittachtziger. "Mohn für Kaarst" heißt die Ausstellung. Und sie trägt den Untertitel "Neue Arbeiten auf Papier". 2007 hatte Urbach im Kunstmuseum Bonn großformatige Radierungen präsentiert. In Büttgen sind jetzt Aquarelle in beeindruckender Größe zu sehen, nicht gerahmt, sondern als Rollbilder.

Walter Urbach, 1925 in Neuss geboren, studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie und an den Kölner Werkkunstschule, als Deutschland noch in Schutt und Asche lag. Einer der profiliertesten Kaarster Künstler sieht sich mittlerweile als "Dirigent des Malens". Er meint damit die besondere Entstehungsweise seiner Aquarelle im XXL-Format: Sie entstehen draußen, auf dem Boden liegend. Urbach arbeitet dabei nicht nur mit einem verlängerten Pinsel: Er bewegt das Bild rauf und runter, hin und her, die Aquarellfarben verlaufen, der Maestro fügt wohldosiert an bestimmten Stellen Farbe hinzu, lässt das Bild entstehen. Wenn die Farbe träge wird, haucht er ihr mit einem Zerstäuber neues Leben ein. Die Aquarelle entstehen Schicht für Schicht.

Welche Rolle spielt der Mohn bei seinen aktuellen Arbeiten? "Ich male das Bild hinter dem Mohn, ziehe etwas nach vorne, das bisher nicht zu sehen war", erklärt Urbach, der als Werbegrafiker und Kunsterzieher gearbeitet und unzähligen Hobbykünstlern die Kunst des Aquarellierens nähergebracht hat.

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Die Monotypien entstanden auf schneeweißem Japan- und auf naturbelassenem, leicht bräunlichem Himalayapapier. Auf dem Japanpapier entwickeln die Farben eine besondere Leuchtkraft. Dass seine Bilder so hell sind wie nie zuvor, sei "eine Frage der Entwicklung, nicht des Alters".

Wie ernst Walter Urbach seine Kunst noch nimmt, wird deutlich, wenn man seine Radierungen sieht. Im Februar ließ er sich an der Kunstakademie in München eine Woche lang Tricks zeigen. Das neu erworbene Wissen setzte er sofort um: Er schuf zum ersten Mal Farbradierungen von zwei Platten in vier Farben. Transparenz und Vielschichtigkeit sind beeindruckend, der Schaffensprozess ist nicht frei von Zufällen — dort hat der "Dirigent" nicht jedes Detail im Griff. Das ist ihm in diesem Fall jedoch recht. Und er bestaunt die durch Überdruck entstandenen, überraschenden Farbtöne. Dieses Staunen überträgt sich übrigens auf den Betrachter der Bilder: Er entdeckt einen erfahrenen Maler neu, der sich mehr Freiheiten denn je rausnimmt.

(NGZ)
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