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Kaarst: Vorsterin kämpft für Therapie

Kaarst : Vorsterin kämpft für Therapie

Nadine Jungbluth leidet an einer krank- und schmerzhaften Fettverteilungsstörung an Beinen und Armen. Weil die Kassen die Behandlung nicht bezahlen, sammelt die 23-Jährige Unterschriften für eine Petition an den Bundestag.

Dass Nadine Jungbluth krank ist, sieht man ihr auf den ersten Blick nicht an. Die junge Frau leidet an einem Lipödem, einer Krankheit, die fast jede zehnte Frau betrifft. Dabei handelt es sich um eine Fettverteilungsstörung an Beinen und Armen, die zu starken Schmerzen führt und nur durch das Tragen von Kompressionskleidung etwas erträglicher wird. Gemeinsam mit anderen Betroffenen kämpft Jungbluth für eine Übernahme der Behandlungskosten durch die Krankenkassen. Der Verein "Lipödem Hilfe", in dem die 23-Jährige Mitglied ist, sammelt derzeit Unterschriften für eine Petition an den Bundestag.

Viele Ärzte unterschätzen die Anzeichen der Erkrankung. "Sie sagen, man sei nur zu dick und müsse abnehmen", sagt Jungbluth. Bei der 23-Jährigen wurde die Krankheit zufällig vor knapp einem Jahr bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Symptome sind schwammige Schwellungen an Hüfte und Oberschenkel, Hämatome oder Druckschmerzhaftigkeit. Auslöser können Hormonumstellungen durch Pubertät, Schwangerschaft oder die Wechseljahre sein.

Nadine Jungbluth trägt inzwischen ab der Brust bis zum Knöchel Kompressionskleidung. Während andere junge Frauen im Sommer Kleider und Röcke tragen, behält sie die lange Hose an und quält sich mit der einengenden "Stützwäsche". Eine solche Situation kratzt an der Psyche. "Meine Familie und mein Freund fangen mich auf, und der Austausch mit anderen Betroffenen hilft mir auch sehr", sagt Nadine Jungbluth. Dabei gibt es eine erfolgreiche Behandlungsmöglichkeit: Bei der Liposuktion wird das kranke Fettgewebe abgesaugt. In der Regel sind dafür drei Operationen notwendig, die Kosten von rund 20 000 Euro übernimmt jedoch keine Krankenkasse. Die Krankheit sei zwar anerkannt, es fehle aber die Langzeitforschung zum Erfolg der Behandlung, so die 23-Jährige. Dabei werde die Liposuktion seit 15 Jahren praktiziert, und Fälle, bei denen das kranke Fettgewebe wieder aufgetreten sei, seien ihr nicht bekannt.

Nadine Jungbluth ist Mitglied in der Lipödem Hilfe. Der Verein prangert diesen Missstand im Gesundheitssystem an und sammelt derzeit Unterschriften für eine Petition an den Bundestag. Ziel ist es, 50 000 Unterstützer zu finden. Dafür haben die Mitglieder nur bis zum 17. Oktober Zeit. Nadine Jungbluth hat Info-Zettel und Listen bei den örtlichen Ärzten ausgelegt. Die Petition kann außerdem im Internet unterschrieben werden. Wichtig ist der Vorsterin die Feststellung, dass es sich dabei um einen gesundheitlich notwendigen Eingriff handelt, nicht um eine Schönheits-OP.

(stef)