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Kaarst: Vorster überlebt Kletter-Unfall in Neuseeland

Kaarst : Vorster überlebt Kletter-Unfall in Neuseeland

Beim Klettern auf einem Felsen an der neuseeländischen Küste sind in der vergangenen Woche vier Menschen ins Meer gestürzt. Der 17-jährige Austauschschüler Hendrik Gronies aus Vorst konnte sich als einziger retten.

Vorst/New Plymouth Seine zwei besten Freunde sind tot, ertrunken in bis zu drei Meter hohen Wellen, mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit — er hat überlebt und konnte nichts tun, um ihnen zu helfen. Es gibt Situationen im Leben, die so furchtbar sind, dass sie einem Menschen die Sprache verschlagen, vor allem, wenn man gerade erst 17 Jahre alt ist.

Mit einem Helikopter wird Hendrik Gronies von einem Felsen geholt. Foto: nn

Das, was am vergangenen Mittwoch am Paritutu Rock in New Plymouth passiert ist, hat Austauschschüler Hendrik Gronies aus Vorst bislang noch nicht einmal seiner Mutter erzählt. Vielleicht, weil es, so lange die Wahrheit nicht ausgesprochen ist, auch immer noch so etwas wie Hoffnung gibt. Realistisch betrachtet gibt es sie nicht.

Auf seinem Facebook-Profil macht Hendrik Gronies seiner Trauer Luft. Gesprochen hat er über das Geschehene noch nicht. Screenshots: NGZ Foto: nn

Wie er selbst werden Gronies Schulfreunde, der 17 Jahre alte Stephen Kahukaka-Gedye und der brasilianische Student Joao Felipe Martin, am Mittwoch beim Klettern am Paritutu Rock, einem etwa 150 Meter hohen Felsen an der Küste Neuseelands, aus zehn Metern Höhe von einer Welle ins Wasser gespült. Die Tour ist Teil des Schulunterrichts am Spotswood College. Dort macht Gronies, bis Juli vergangenen Jahres Schüler am Vorster Georg-Büchner-Gymnasium, derzeit gerade sein Abitur.

Mit 13 Schülern besteigt Kletterführer Bryce John Jourdain am Nachmittag den Felsen. Das Wetter ist gut, die See scheint ruhig, doch dann ziehen plötzlich Wolken auf. Als Gronies und seine Freunde abrutschen und stürzen, springt der 42-jährige Familienvater hinterher, um zu helfen. Seither fehlt von ihm und den beiden Schülern jede Spur.

Der 17-jährige Kaarster, so berichtet es später ein enger Freund der Verunglückten der örtlichen Zeitung "NZ Herald", schafft es, sich aus eigener Kraft an Land zu retten. Ein Helikopter liest ihn kurze Zeit später auf einem Felsvorsprung auf. Er habe sich noch umgedreht und nach seinen Freunden geschaut, heißt es. Aber Stephen und Felipe waren nirgends zu sehen.

Die Polizei hat die Rettungsaktion, an der sich auch Privatleute mit Booten beteiligten, mittlerweile eingestellt. Gesucht wird jetzt nach drei Leichnamen. Zu Hause, in Vorst, erfährt Petra Gronies über das Internet, was mit ihrem Sohn geschehen ist. Auf Hendriks Facebook-Profil posten seine besorgten Freunde: "Was ist passiert? Ich hoffe, es geht dir gut ...?" "Am Montag haben wir uns zuletzt geschrieben", erinnert sich die Mutter. "Er sagte etwas von einer Wanderung. Es ist einfach schrecklich, auf diesem Weg davon zu hören, dass das eigene Kind beinahe gestorben ist."

Die Rettungskräfte bringen den 17-Jährigen nach der Bergung in ein Krankenhaus. Er ist stark unterkühlt und steht unter Schock. "Körperlich geht es ihm wieder gut", sagt Petra Gronies. "Sprechen will er über das, was geschehen ist, aber noch nicht. Die Gasteltern haben uns versichert, dass man sich an der Schule sehr gut um die Schüler kümmert."

In Neuseeland hat der Unfall eine Diskussion darüber ausgelöst, wie riskant Schulveranstaltungen sein dürfen. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.

(NGZ/top)