1. NRW
  2. Städte
  3. Kaarst

Kaarst: Vorster Kirchenchor spielt jeckes Musical

Kaarst : Vorster Kirchenchor spielt jeckes Musical

Die Proben zum neuen Karnevalsmusical des Kirchenchors St. Cäcilia Vorst laufen auf Hochtouren. Zum ersten Mal führt Mark Daschner Regie, und der 33-Jährige legt Wert darauf, dass bei jeder Probe das gesamte Stück einmal durchgespielt wird. Wer sein Kostüm bereits fertig hat, soll dies auch immer anziehen.

Seit November treffen sich die Darsteller bis zu dreimal die Woche: zweimal zur Gesangsprobe in der Musikschule Kaarst, Freitagabend zum Schauspiel im Pfarrzentrum Vorst. In diesem Jahr lautet der Titel "Arche Nora — Schaffe, schaffe, Ärchlein bauen". Damit wagt sich der Chor nach 25 Jahren mal wieder an eine Geschichte aus der Bibel heran. Vom Original bleibt allerdings kaum etwas übrig. Doch die Diskussion um Weltuntergang und Grundwasser erinnerte die Autoren an die Sintflut.

In einem kleinen Team wurde etwa ein halbes Jahr lang an Charakteren, Handlung und Dialogen gefeilt. Josef Gammersbach schrieb daraus schließlich das fertige Theaterstück. Dem Irrsinn wurden dabei keine Grenzen gesetzt. Und darum geht's: Nora (Christiane Bürger) schickt ihre drei Söhne Sam, Ham und Jafett (Sigfried Müller, Klaus Bürger und Mark Daschner) auf Wallfahrt nach Klein-Jerusalem, um dort eine Kerze anzuzünden, weil es in Vorst keine Sonntagsmesse mehr gibt. Stattdessen kehren die Drei aber nur von einer Kirmes mit drei Damen zurück. Es kommt zum Streit mit der Mutter, bis eine überirdische Stimme die Flut ankündigt. Das Grundwasser beginnt zu steigen, und die Stimme rät zum Bau einer Arche.

"Über den Nordkanal und den Rhein möchten sie zum Meer gelangen", erzählt Gammersbach. Aber an der Schranke wird die Arche erst einmal aufgehalten — und es dauert, bis Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer endlich mit ihrer "Emma" ankommen. Die Arche sinkt und selbst der Rettungsschirm kann nicht helfen.

Das Karnevalsmusical ist wieder gespickt mit Anspielungen und offener Kritik, wahrscheinlich sogar intensiver als in den vergangenen Jahren. "Ein Theaterkritiker attestierte uns bereits damals kabarettistische Züge", erzählt Gammersbach.

Musicals studiert der Kirchenchor bereits seit mehr als 40 Jahren ein, Theater spielt er nachweislich sogar schon seit 1892. Auch bei der Auswahl der Lieder greift der Chor auf bekannte Melodien zurück und legt eigene Texte darüber. Volksmusik trifft auf kirchliches Liedgut, Klassiker aus dem "Dschungelbuch" auf aktuelle Hits wie "An Tagen wie diesen", Schlager auf Karnevalslieder.

Die musikalische Leitung liegt wieder bei Mark Koll, das Bühnenbild hat sich Sigfried Müller ausgedacht.

(NGZ/ac)