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Kaarst: Vorster fährt eine echte Rallye-Legende

Kaarst : Vorster fährt eine echte Rallye-Legende

Der Toyota Celia Twin Cam Turbo von Gerd Dicks gehört zur sogenannten "Gruppe B"-Ära im Motorsport. Von diesem speziellen Modell gibt es heute weltweit nur noch sechs Exemplare. Eines gehört einem Scheich in Dubai.

Der Motor heult auf und schreit seine Kraft quasi heraus, die Beschleunigung mit 400 PS drückt Fahrer und Co-Pilot in die Sitze, die Vibration des ganzen Chassis fährt in ihre Körper — eine Fahrt im Toyota von Gerd Dicks ist gewöhnungsbedürftig. Das Liebhaberstück des Vorsters ist nichts für eine gemütliche Ausfahrt. Es fühlt sich nur auf einer Rennstrecke wohl.

Der Toyota Celia Twin Cam Turbo ist eine Rallye-Legende der 1980er Jahre. Der Wagen gehört zur sogenannten "Gruppe B"-Ära im Motorsport. "Bei den Fahrzeugen ging es nur um Leistung. Es war brutal, nur wenige Fahrer konnten sie wirklich beherrschen", sagt Gerd Dicks.

Er hat diese Zeit hautnah miterlebt, seit Anfang der 1970er Jahre arbeitete der Kfz-Meister als Mechaniker im Rennsport und stieg bis zum Chef-Motorenbauer bei Toyota in der Formel 1 auf. Doch das größte Abenteuer waren die Jahre im Rallye-Sport. "In Afrika war der Wagen nahezu unschlagbar. Die Technik anderer Marken war für die dortigen Verhältnisse zu kompliziert, wir dagegen konnten alles schnell reparieren, selbst das Getriebe oder die Hinterachse in einer Viertelstunde austauschen", erzählt der 61-Jährige. Und die Rallyes im Busch waren extrem.

Wenn die Strecke durch einen Fluss führte, stieg das Wasser im Fahrzeug bis zu den Knien, bei dem tropischen Wetter herrschten im Fahrzeug Temperaturen von bis zu 60 Grad. Dabei legten die Fahrer pro Etappe bis zu 1000 Kilometer am Tag zurück. So groß das Abenteuer, so gefährlich war aber auch die "Gruppe B". Nach mehreren tödlichen Unfällen wurde sie 1986 nach nur wenigen Jahren wieder eingestellt.

Der Wagen von Gerd Dicks absolvierte deshalb nur zwei Wettbewerbe: 1986 von Honkong nach Peking und bei der Olympus-Rallye in den USA. Anschließend wurde er im Kölner Toyota-Werk "geparkt", ehe ihn der Vorster 1989 vor der Schrottpresse bewahrte. "Ich übernahm ihn komplett ausgeschlachtet, nur die Karosserie war noch übrig", erzählt er. Weltweit suchte er sich die Teile für Motor, Getriebe und Tankanlage zusammen. Die Original-Reifen fand er in Afrika. "Damals war der Rücktransport der Fahrzeuge oft zu teuer, so dass man sie vor Ort verkauft hat", sagt Dicks.

Für Kleinigkeiten wie Türgriffe oder Abdichtgummis kaufte er zwei gebrauchte Serienfahrzeuge auf. Betankt wird der Toyota Celia Twin Cam Turbo mit "AvGas" — Flugbenzin. Fünf Jahre bastelte der Vorster an seinem Wagen. Ersatzteile lassen sich heute nicht mehr auftreiben, die müsste er selber anfertigen. Von diesem speziellen Toyota gibt es heute weltweit nur noch sechs Exemplare. Einer steht in Japan im Museum, einer ist im Privatbesitz eines ehemaligen finnischen Rallye-Fahrers und einer gehört einem Scheich in Dubai.

Knappe 20 Jahre nach dem Ende der "Gruppe B"-Ära wecken die Fahrzeuge wieder verstärkt das Interesse der Motorsportfans. Zuletzt präsentierte Gerd Dicks seinen Wagen bei der Eifel-Rallye und den "Classic Days" auf Schloss Dyck. Ein Höhepunkt war die Teilnahme am "Goodwood Festival of Speed" in England 2011. "Dafür kann man sich nicht anmelden", sagt Gerd Dicks. "Dahin wird man nur eingeladen."

(NGZ)