Kabarettist Bodo Wartke: "Ich denke, also sing ich": Vom König Ödipus und den Erdbeer-Pflückern

Kabarettist Bodo Wartke: "Ich denke, also sing ich" : Vom König Ödipus und den Erdbeer-Pflückern

Einmal pro Saison werden Vertreter der jungen Kabarett- und Comedy-Szene vorgestellt. Damit diesen Künstlern ein großes aufgeschlossenes Publikum entgegenkommt, werden sogar Karten ausgegeben, um die Besucher ins Albert-Einstein-Forum zu locken.

Einmal pro Saison werden Vertreter der jungen Kabarett- und Comedy-Szene vorgestellt. Damit diesen Künstlern ein großes aufgeschlossenes Publikum entgegenkommt, werden sogar Karten ausgegeben, um die Besucher ins Albert-Einstein-Forum zu locken.

Bei seinem nächsten Auftritt in Kaarst muss wohl kein Zuschauer mehr eigens angelockt werden: Denn mit seinem Programm "Ich denke, also sing ich" feierte Bodo Wartke einen vollen Erfolg. Erste Begeisterte waren sogar schon aus anderen Städten nach Kaarst gereist, um diesen jungen Kabarettisten sehen zu können. Was direkt zu Beginn seines zweistündigen Programms auffiel, war die lockere, spontane Art des Künstlers, mit dem Publikum umzugehen. Nichts wirkte wie einstudiert. Bodo Wartke schien sein Leben lang nichts anderes gemacht zu haben, als auf der Bühne zu stehen und mit seinen Gästen zu plaudern, obwohl das im Alter von 22 Jahren im Vergleich zu anderen Kabarettisten noch nicht oft gewesen sein kann.

Dem Charme des jungen Mannes konnte sich niemand im Publikum entziehen, so war ihm auch niemand böse quasi vom Zuschauerplatz mit ins Rampenlicht gerückt zu werden. Sein Programm macht deutlich, dass Bodo Wartke mehr zu bieten hat, als nur eine gute Stimme: Mit unglaublichem Wortwitz und gekonntem Klavierspiel zieht er sein Publikum in seinen Bann. Doch das ist nicht alles, auch sein schauspielerisches Talent ist enorm. Neben seinen Liedern, die den größten Teil des Abends füllten, machte der Kabarettist in seinen Gedichten deutlich, dass er auch ohne Klavier viel zu bieten hat. Bodo Wartkes Lieder handeln von Alltagssituationen, die so jeder schon einmal erlebt haben kann - wie eine Fahrt mit der U-Bahn oder ein Rendezvous.

Meist kippt die Situation, die er besingt, aber dann in eine absurde, mit viel Ironie und Sarkasmus erzählte Geschichte, die man nicht erwartet hätte. So beginnt Wartke auch ein Lied ganz harmlos wie einen netten Reisebericht, doch dann "sind all Eure Sorgen hier wahr geworden, dank mir". Denn Bodo Wartke schlüpft in die Rolle eines Luftpiraten, der von seiner Arbeit singt. Zum Schluss erschießt er auch noch aus Versehen den Piloten und stürzt auf die Landebahn, doch "bevor das Wrack explodiert, werden noch ein paar Reporter püriert". Aber nicht alles, was er singt, erinnert an die Inhalte von Quentin Tarantinos Filmen.

Bodo Wartke erzählt auch von ersten Auftritten in einer Bierbar, denn da "nahm das Unglück seinen Lauf, ich trat auf", oder von den Gedanken eines Kriegerdenkmals, das vergessen im Park steht. Nicht vergessen hat er auch seine Heimatstadt Bad Schwartau, selbst wenn der Zuhörer nach dem Liebeslied, dass er für sie gedichtet hat, immer noch nicht weiß, was es außer Marmelade da sonst noch gibt, doch man hört von "Erdbeerpflückern" und "Marmeladenglaszudrehern" und anderen tollen Berufen, die es so nur in Bad Schwartau geben kann.

Am Ende wollten die Zuschauer Bodo Wartke überhaupt nicht mehr von der Bühne des Albert-Einstein-Forums lassen. Nach drei Zugaben war dann nach einem "Finish mit Finnisch" leider Schluss. Doch bei seinem nächsten Auftritt hier im Raum kann Bodo Wartke sicher sein, dass er ein neues Fanpublikum hat, das schon auf ihn wartet. Janine Oswald