Kaarst: Viele Händler, wenig Engagement

Kaarst: Viele Händler, wenig Engagement

Von etwa 88 Einzelhändlern engagieren sich gerade mal zwölf in der ISG Kaarst-Mitte. Die verbliebenen Geschäftsleute befürchten langfristig eine Abwärtsspirale ihrer Stadt. Sie halten einen Neuanfang für unbedingt nötig.

Die Märkte in der Kaarster Innenstadt sind beliebt, erst kürzlich hat der Ostermarkt hunderte Menschen in die Mitte der Stadt gelockt. Getragen werden diese Veranstaltungen unter anderem von der Immobilien- und Standortgemeinschaft Kaarst-Mitte (ISG), es profitieren aber auch alle anderen Einzelhändler davon, die nicht Mitglied der ISG sind.

Claudia Op't Eynde glaubt, dass es einen Neuanfang braucht - mit allen Einzelhändlern zusammen. Foto: csk

"Das verursacht schon Unmut bei denen, die die ganze Arbeit leisten", sagt Angelika Brögelmann. Die Inhaberin des Schuhstübchens ist schon von Beginn an Mitglied in der ISG und sicher, dass man im Kollektiv mehr bewegen kann, als jeder für sich. Sie ist nicht allein mit dem unguten Gefühl, dass die bislang noch lebendige Innenstadt ohne eine funktionierende Gemeinschaft gefährdet ist.

"Hier gibt es 88 Geschäfte in der Innenstadt und gerade mal zwölf sind vollwertiges Mitglied in der ISG", sagt Stefan Schwartz, der aktuell Beisitzer ist. Warum sich nur so wenige Einzelhändler engagieren, obwohl sie doch offensichtlich davon profitieren, kann er nicht nachvollziehen: "Die ISG ist die Stimme der Händler. Es wird schon mal das Finanzielle vorgeschoben, aber die Beiträge können mit 40 Euro im Monat eigentlich nicht das Problem sein", sagt Schwartz, der sein Optikergeschäft an der Maubisstraße hat. Je nach Lage beträgt der Beitrag sogar jährlich nur 100 Euro. Schwartz glaubt, die Abwehrhaltung komme daher, weil man den Nutzen der ISG für jeden Einzelnen nicht erkenne. Einige der Händler, die nicht oder nicht mehr in der ISG sind, haben es abgelehnt, sich öffentlich zu den Gründen zu äußern.

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Dass die Arbeit auf den Schultern Weniger verteilt wird, rufe nicht nur Unmut hervor, sondern koste auch Zeit und Energie. "Das ist für Menschen, die sich um ihr Geschäft kümmern müssen, nebenbei kaum zu stemmen", sagt Claudia Op't Eynde und spielt darauf an, dass es aktuell keinen Vorsitz gibt. "Man resignirert irgendwann, wenn von den anderen nichts kommt." Sie selbst ist Mitglied in der ISG, glaubt, dass man sich gemeinschaftlich viel besser für den Erhalt einer attraktiven Innenstadt einsetzen könne. Op't Eynde glaubt aber auch, dass es eine Neuordnung geben müsse und dass diese nur funktioniere, wenn "alle unter einem Dach sind". Aktuell gibt es neben der ISG noch die Werbegemeinschaft der Rathausarkaden. Für die Händler, die in den Rathausarkaden vertreten sind, ist eine Mitgliedschaft Pflicht, die ISG hingegen ist freiwillig. "Vielleicht wäre es wirklich sinnvoll, so etwas wie eine gesetzliche ISG zu installieren. Aber das kann ein Ehrenamtler nicht leisten. Da gibt es ja auch rechtliche Dinge zu klären. Hier müsste die Stadt aktiv werden und einen Abgesandten schicken - ob in Form eines Citymanagers oder in welcher Form auch immer - , der sich um die Rahmenbedingungen kümmert und auch die Immobilienbesitzer mit ins Boot holt." Natürlich, so Op't Eynde, müsse der Vorstand weiterhin mit Einzelhändlern besetzt sein. So lange es aber nicht eine gewisse Verbindlichkeit gebe, sei es schwierig, das Problem zu lösen.

Hinzu komme, dass in naher Zukunft ein Generationenwechsel anstehe. Op't Eynde: "Die meisten Läden hier sind Inhabergeführt, was die Innenstadt ja auch ausmacht. Es wird aber immer schwieriger, Nachfolger zu finden." Auch um so etwas müsse sich die Stadt vermehrt kümmern, um die Vielfalt der Geschäfte zu erhalten. "Gerade läuft es noch gut, aber viele sehen nicht, dass ganz schnell eine Abwärtsspirale entstehen kann." Neben Leerständen, die unweigerlich zu der Ansiedlung von Billigläden führe, könnten auch keine Märkte mehr stattfinden und somit auch keine verkaufsoffenen Sonntage.

"Das wäre ein herber Verlust für die, die sich lange bemüht haben. Aber natürlich auch für die, die es nicht für nötig gehalten haben, sich zu engagieren", sagt Brögelmann. Sie hofft, dass die Problematik ernstgenommen wird: "Ich würde mir wünschen, dass der Knall gehört wird und wir hier in Kaarst zusammenhalten, um der Konkurrenz geschlossen entgegenzutreten."

(NGZ)
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