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Prozess gegen Kaarster Vermögensverwalter: Vertrauen der Senioren ausgenutzt

Prozess gegen Kaarster Vermögensverwalter : Vertrauen der Senioren ausgenutzt

Von Bettina Holleczek

Von Bettina Holleczek

Nicht nur bei Bürgern im Stadtgebiet erregte der Prozessauftakt gegen einen Kaarster Vermögensverwalter Aufmerksamkeit, dem vom Schöffengericht in Neuss Betrug und Untreue zur Last gelegt wird. Aus Jülich berichtete Heinz Spelthahn, Jurist und früherer Jüchener Gemeindedirektor, von einer weiteren Geschädigten, die sich von dem Kaarster um 400.000 Mark betrogen fühlt.

Der Rechtsvertreter der Frau erklärte gegenüber der NGZ: "Ich kann nicht verstehen, warum dieser Fall nicht mit in die Anklage einbezogen worden ist." Er stellte fest: "Ich kann mit der Geschädigten mitfühlen, die glaubt, die Staatsanwaltschaft habe den Angeklagten mit Samthandschuhen angefasst." Spelthahn geht davon aus: "Der Fall ist deutlich größer, als er sich in Neuss vor dem Gericht darstellt. Kern des Ganzen ist: Es geht um Anlagebetrug." Bei dem Umfang der Betrugshandlungen hätte der Prozess seiner Auffassung nach am Landgericht geführt werden müssen.

Vor dem Neusser Schöffengericht muss sich der Angeklagte zurzeit wegen Betruges und Untreue in mehreren Fällen verantworten - geprellten Anlegern entstand ein Schaden von etwa 3,4 Millionen Mark (die NGZ berichtete). Im Fall seiner Mandantin sei die eigentliche Geschädigte - eine Frau im Alter von etwa 80 Jahren - verstorben, so Spelthahn, der die Interessen einer Erbin vertritt. Spelthahn: "Wenn arglose ältere Menschen um ihr Erspartes gebracht werden, halte ich Nachforschungen für wichtig." Die Staatsanwaltschaft habe diese im Fall seiner Mandantin aber abgelehnt, mit der Begründung sie seien vor dem Hintergrund des Prozesses "für das Strafmaß nicht relevant".

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"Ich kann gut verstehen, dass mancher am Rechtsstaat verzweifelt. So ein laxer Umgang mit kriminellen Vorgängen führt nur zu Entwicklungen, die wir in unserer Gesellschaft nicht wollen. Kein Wunder, dass der Hamburger Wahlgewinner Ronald Barnabas Schill so einen Zulauf hat", meinte Spelthahn. Rechtsanwalt Wolfgang Kalla, der drei Mandanten aus dem Stadtgebiet im Prozess gegen den Kaarster vertritt, erklärte: "Mich hat nur gewundert, dass der Angeklagte nicht direkt nach der Strafanzeige von Seiten meiner Mandanten im Februar 2000 in Untersuchungshaft genommen worden ist." Dabei habe doch "Verdunklungsgefahr" bestanden. Seine Mandanten seien "um ganz erhebliche Beträge geschröpft worden".

Der Angeklagte habe langjährige Kontakte zu den späteren Geschädigten gepflegt, sei sogar mit ihnen in Urlaub gefahren und habe auch seine berufliche Position ausgenutzt, um ihr Vertrauen zu erwerben, das er schließlich "eklatant missbraucht" habe. Kalla: "Er hat sogar Original-Geschäftsbögen der Versicherung verwendet, für die er tätig war." Der Kaarster Jurist zeigte sich überzeugt: "Ich gehe davon aus, dass jeder Staatsanwalt Interesse daran hat, solchen Menschen das Handwerk zu legen." Die Vorwürfe von Rechtsanwalt Heinz Spelthahn wies Johannes Mocken als Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft gestern auf Anfrage der NGZ zurück: "Es ist nicht richtig, dass die Staatsanwaltschaft den Angeklagten mit Samthandschuhen angefasst habe."

Problem in diesem speziellen Fall sei, dass die Frau bereits verstorben sei und daher nicht mehr als Zeugin gehört werden könne. Mocken: "So stellt sich die Beweislage als sehr schwierig dar." Mit Blick auf die restlichen Anklagepunkte, die "ausreichen, um diesen Fall mit abzudecken", sei der Fall daher nicht mit in das Verfahren gegen den Kaarster einbezogen worden.

(NGZ)