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Kaarst: Versicherungsagent aus Kaarst wegen Betruges angeklagt

Kaarst : Versicherungsagent aus Kaarst wegen Betruges angeklagt

Mit einem dreisten Fall von gewerbsmäßigem Versicherungsbetrug muss sich derzeit das Landgericht Duisburg beschäftigen: Durch den Abschluss privater Krankenversicherungen und die massenhafte Abrechnung angeblicher Erkrankungen soll eine Bande zwischen 1998 und 2006 mehr als eine halbe Million Euro erschwindelt haben. Drei der mutmaßlichen Täter – ein 58 Jahre alter Versicherungsagent aus Kaarst, eine 62 Jahre alte Frau aus Duisburg und ein 66 Jahre alter Duisburger – sitzen jetzt auf der Anklagebank.

Teils unter eigenem, teils unter falschen Namen sollen die Angeklagte und weitere Mittäter Versicherungen abgeschlossen und dafür eigens Konten eröffnet haben. Mit falschen Bescheinigungen und fiktiven Behandlungen – davon geht die Staatsanwaltschaft aus – erhielten sie Kranken- und Unfallgeld. Der Versicherungsagent aus Kaarst soll in die kriminellen Pläne eingeweiht gewesen sein und seinen Arbeitgeber um 33 500 Euro Provision erleichtert haben.

Oft waren als Grund für die Forderungen Unfälle bei Sport und Freizeit angegeben. Angeblich beim Tennis erlittene Bänderdehnungen oder Muskelfaserrisse seien abgerechnet worden, obwohl es nie einen Unfall gegeben habe. So auch Verletzungen, die beim Fahrradfahren entstanden sein sollten. Die entsprechenden Versicherungen seien gezielt im Vorfeld abgeschlossen worden. Die Ermittlungen lassen darauf schließen, dass im großen Stil betrogen wurde.

Auch Ärzte sollen sich daran beteiligt haben. Das Verfahren gegen einen der Mediziner aus Duisburg, der nur am Rande beteiligt gewesen sein soll, wurde bereits im Vorfeld abgetrennt. Ein weiterer Arzt aus Moers, der im Verdacht steht, falsche Bescheinigungen ausgestellt zu haben, ist bereits gestorben. Auch der Hauptangeklagte, ein Rentner aus Duisburg, kann nicht vor Gericht gebracht werden. Nach dem Gutachten eines medizinischen Sachverständigen ist er verhandlungsunfähig. Aufgrund "enormer Fettsucht" sei es ihm unmöglich, die Wohnung zu verlassen oder längere Zeit zu sitzen. Seine 62 Jahre alte Ehefrau dagegen muss sich wegen Betrugs verantworten. So auch ein 66-jähriger Duisburger, der jeweils als Kranker und Empfänger der Leistungen aufgetreten sein soll. Ein weiterer Nutznießer des Geldes soll der Neffe der 62-Jährigen gewesen sein. Er soll jetzt in Australien leben und war wohl deshalb nicht zur Verhandlung erschienen.

(juha/BL)