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Kaarst: Tropische Spinne in Kaarst gefangen

Kaarst : Tropische Spinne in Kaarst gefangen

Einen ungewöhnlichen Gast hatte sich eine Kaarsterin mitgebracht, als sie in Folie gepackte Bananen zu Hause auspackte: eine Spinne, die in hiesigen Breiten unbekannt ist. Der erste Verdacht ging in Richtung Giftspinne.

Wie auch immer das Tier die lange Reise in dunklen Container aus dem warmen Kolumbien bis ins Rheinland überstanden hat: In Kaarst konnte es ins Freie. In einer Bananenstaude steckte die hellbraune Spinne, bei deren Anblick eine 49 Jahre alte Frau sofort wusste: Die ist nicht von hier. "Vor einer normalen Hausspinne habe ich keine Angst", sagt die Kaarsterin, die ihren Namen nicht nennen möchte, "aber diese war mir unheimlich."

Zu Recht – auch wenn der Achtbeiner nicht, wie zunächst befürchtet, zur Gattung der giftigen und als aggressiv geltenden Bananenspinnen gehört. Der Kaarsterin jedenfalls war das Tier nicht geheuer, sie informierte lieber die Feuerwehr und hat "die komplette Bananenstaude mitsamt Tüte und Spinne sofort nach draußen gebracht und ein Glas über die Spinne gestülpt", erzählt sie.

So ruhig, wie sie das Ganze jetzt schildert, war sie anfangs jedoch nicht. "Ich fand es schon ein bisschen eklig und habe bestimmt auch geschrien", sagt sie, "aber das hat alles meine Freundin abbekommen." Mit der hatte sie nämlich gerade telefoniert, als sie dabei "ganz locker, nur mit einer Hand" die Folie – keine geschweißte, sondern eine lockere – von den Bananen entfernen wollte. Als sie dabei die Spinne entdeckte, trieb sie nur eine Sorge um: "Dass sie mir innerhalb meines Hauses entfleucht!" Also packte sie alles zusammen und trug es vor die Haustür.

Da auch die Kaarster Feuerwehr sich nicht sicher war, ob es sich bei dem rund vier Zentimeter großen Exemplar nicht um eine Giftspinne handelt, wurde der Aquazoo in Düsseldorf benachrichtigt und die Spinne auch dorthin gebracht. Der Arachnologe und Mitarbeiter des Aquazoos, Dr. Stephan Loksa, lässt jedoch nach Sichtung von Fotos der Spinne keinen Zweifel daran, dass es sich bei dem Tier um eine tropische Riesenkrabbenspinne handelt. "Sie ist nicht bissig", sagt er, "und wenn: Der Biss ist völlig ungefährlich." Was diese Spinne mit der Bananenspinne eine, sei, dass sie unglaublich schnell laufen könne, kein Netz baue, sondern ihren Opfern auflauere. "Die Riesenkrabbenspinne ist ein blitzschneller Jäger", erklärt er. Und sogar seitwärts könne sie laufen – was sie unter den Spinnen generell zu einer Ausnahmeerscheinung macht und ihr auch den Zusatz "Krabben" im Namen eingebracht habe.

Dass bei dem Kaarster Tier von Schnelligkeit nichts zu merken war, führt Loksa auf die Behandlung der Bananenfracht mit Lachgas zurück. "Damit werden Bananen behandelt, damit sie schneller reifen", sagt er. Zudem habe das Gas den Effekt, dass es alle mitgereisten Tiere in den Stauden töte. "Unsere Spinne hat wahrscheinlich nur Glück gehabt", sagt er, "aber immer noch so viel abbekommen, dass sie benommen war." Überleben könne sie in unseren Breiten nicht: "Sie verträgt keine Temperaturschwankungen."

Dass es sich bei dem Kaarster Fund nicht um eine giftige Bananenspinne handelt, dürfte auch in der Düsseldorfer Metro für Aufatmen gesorgt haben. Denn dort hatte die 49-Jährige aus Kaarst die Bananenstaude laut Angaben der Neusser Polizei gekauft. Neben der Feuerwehr war auch die Polizei eingebunden, sie wurde über den Fund informiert und hat dann nach Auskunft von Polizeisprecher Hans-Willi Arnold die Sache an die Kollegen in Düsseldorf abgegeben.

(NGZ)