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Kaarst: Top-Frauenquote in der Politik

Kaarst : Top-Frauenquote in der Politik

In einem Ranking der Fernuniversität Hagen zum Frauenanteil in der Kommunalpolitik deutscher Mittelstädte belegt Kaarst Platz sechs in Nordrhein-Westfalen und Platz 17 bundesweit.

Platz sechs in Nordrhein-Westfalen und Platz 17 bundesweit: Wenn es um den Frauenanteil in der Kommunalpolitik deutscher Mittelstädte geht, ist Kaarst ganz weit vorne dabei. Das ist das Ergebnis eines sogenannten Genderrankings, das ein politikwissenschaftliches Forscherteam der Fernuniversität Hagen im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung erstellt hat.

...Dorothea Zillmer (CDU)... Foto: NGZ

Dabei wurden in einem ersten Schritt die Internetseiten aller 212 Mittelstädte zwischen 30 000 und 50 000 Einwohnern in Deutschland erfasst, statistisch ausgewertet, fehlende Daten durch Vor-Ort-Recherchen ergänzt und zusätzlich statistische Publikationen herangezogen.

Aus den erhobenen Frauenanteilen in einzelnen politischen Positionen — Ratsmandate, Ausschussvorsitzende, Fraktionsvorsitzende und Bürgermeisteramt — wurde als Grundlage für das Ranking ein Index gebildet. Dessen Höchstwert liegt bei 14, der niedrigste, für eine außerordentlich niedrige Frauenrepräsentanz, bei vier. Der Kaarster Wert beträgt 12.

Unter den 212 deutschlandweit analysierten Mittelstädten ist Ettlingen in Baden-Württemberg Spitze. Ettlingen wurde bis zum Ende ihrer Amtszeit Ende Oktober von einer Bürgermeisterin regiert, die zugleich den Ausschüssen vorsaß. Der Rat hat einen Frauenanteil von 37,5 Prozent, zwei der fünf Fraktionsvorsitzenden sind weiblich.

In Kaarst dagegen sind 15 von 46 Stadtratsmitgliedern Frauen. Das entspricht einem Anteil von 32,6 Prozent. Mit Dorothea Zillmer (CDU), Elke Beyer (SPD) und Anja Rüdiger (UWG) gibt es drei Fraktionsvorsitzende. Zillmer ist zugleich Vorsitzende des Sport-, Senioren-, Demografie- und Sozialausschusses, Ursula Baum (CDU) steht dem Jugendhilfeausschuss vor.

Insgesamt ziehen die Wissenschaftler folgendes Fazit: Je wichtiger die Ämter in der Kommunalpolitik deutscher Mittelstädte sind, desto weniger werden sie mit Frauen besetzt. Das Bürgermeisteramt zum Beispiel haben lediglich knapp zehn Prozent Frauen inne. In den Großstädten sind die Frauenanteile, wie eine Erhebung der Forschergruppe aus 2010 zeigt, durchschnittlich deutlich höher.

Einen Grund dafür sehen die Forscher unter anderem darin, dass die Parteien mit verbindlichen Frauenquoten (50 Prozent bei den Grünen und der Linken, 40 Prozent bei der SPD) vor allem in den Großstädten ihre Hochburgen haben.

Außerdem vermuten die Fernuni-Wissenschaftler, dass in den großen Städten eine starke Frauenunterrepräsentanz als unmodern gilt und Parteien dadurch stärker unter Rechtfertigungsdruck stehen. In Kaarst scheint man das auch so zu sehen.

(NGZ)