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Kaarst: Tierschützer fordern Kastrationspflicht

Kaarst : Tierschützer fordern Kastrationspflicht

Der Neusser Verein "Katzennothilfe Kitty" kümmert sich um wilde Katzen. Bei Tieren aus Kaarst bewegen sich die Tierschützer damit allerdings in einer rechtlichen Grauzone. Sie fordern eine Regelung nach Neuss Vorbild.

Fast jeden Tag bekommt Ulrike Foerster vom Neusser Verein "Katzennothilfe Kitty" Nachrichten von besorgten Anwohnern, die durch die Nachbarschaft streunende Katzen entdeckt haben. "Im Bereich Broicherdorfstraße war es in der letzten Zeit besonders schlimm. Von dort gab unzählige Anfragen über unsere Internetseite. Daraufhin haben wir diese vorübergehend abgemeldet", sagt die Tierschützerin.

Der Verein, der unter anderem Jungtiere von wilden, unkastrierten Katzen von der Straße holt und die ausgewachsenen füttert, stößt mittlerweile an Grenzen, sowohl in räumlicher, als auch in rechtlicher Hinsicht. "Wir brauchen in Kaarst dringend einen Raum, in dem wir die Tiere nachts unterbringen können, bevor sie zum Tierarzt gebracht werden", sagt Foerster, "Das andere Problem ist, dass es in Neuss mittlerweile eine Kastrationspflicht gibt, in Kaarst aber nicht." Das soll sich ändern. Die Katzennothilfe hat vor kurzem die Kaarster Politik informiert.

Mehrmals pro Woche ist Ulrike Foerster spätabends unterwegs, um an verschiedenen Futterstellen wilde Katzen zu versorgen und den Bestand zu kontrollieren, zum Beispiel auf dem Schrottplatz Morgensternsheide, der unmittelbar an der Neuss-Kaarster-Stadtgrenze liegt. Auch Kastrationen dort aufgegriffener und nicht gechippter Tiere lässt der Verein durchführen. Bei Katzen aus Kaarst bewegen sich die Tierschützer damit allerdings in einer rechtlichen Grauzone. "Wenn der Tierhalter es darauf anlegt, könnte er uns verklagen", sagt Foerster. "Deshalb halten wir uns gezwungenermaßen ein wenig zurück."

Ziel des Vereins ist es, dass Katzenbesitzer auch in Kaarst stärker in die Verantwortung genommen werden. In Neuss ist die Verordnung so konzipiert, dass Tierschutzvereine die Verwaltung informieren, sobald sie begründete Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen die Kastrationspflicht haben. Katzenhalter, die ihre Tiere frei laufen lassen, müssen ihre Katzen spätestens mit Beginn des sechsten Lebensmonats kastrieren lassen. Das hat der Neusser Rat Ende vergangenen Jahres so beschlossen. Außerdem gilt eine Kennzeichnungspflicht für Freigänger mittels Tätowierung oder Mikrochip. Katzenhaltern, die gegen diese Pflicht verstoßen, droht ein Bußgeld von 150 Euro pro Tier.

In Kaarst, berichtet Ulrike Foerster aus Erfahrung, seien es häufig Landwirte, die nicht auf die Kastrierung des Katzen-Nachwuchses auf ihren Höfen achteten. "An der Landstraße zwischen Büttgen und Kaarst finden wir fast täglich tote Katzenbabys." Foerster hofft auch darauf, dass eine Kastrationspflicht nicht nur Katzenbesitzer sensibilisiert, sondern auch Privatleute, die wilde Katzen unkontrolliert füttern und damit dazu beitragen, dass sich die Tiere vermehren. Denn der Neusser Rat hat festgelegt, dass auch jene Menschen als Katzenhalter gelten, die den Tieren regelmäßig Futter zur Verfügung stellen. "Wilde Katzen sollten nur gefüttert werden, um eine Anlaufstelle für die Tiere zu schaffen", sagt Foerster. Nur so könne der Bestand kontrolliert werden, indem nämlich die wilden Katzen, die dort gefüttert werden, eingefangen und kastriert werden."

(NGZ)