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Kaarst: Thomas Freitag: Kabarett gegen Kahlschlag

Kaarst : Thomas Freitag: Kabarett gegen Kahlschlag

Thomas Freitag – ja, das ist der, der Wehner und Brandt, Kohl und Strauß parodiert hat wie kein anderer (als die meisten heutige TV-Kabarettisten noch Windeln trugen). Als Bibliothekar Schüttlöffel, der sich an seinem Arbeitsplatz verschanzt und aus Protest gegen die Schließung seiner Stadtteilbibliothek 5800 Bücher als Geiseln nimmt, kam Freitag jetzt im Kaarster Einstein-Forum ohne seine politischen Schwergewichte aus.

"Der kaltwütige Herr Schüttlöffel" – so heißt sein Programm – wehrt sich gegen eine angeblich alternativlose Sparpolitik, mit der ein kultureller Kahlschlag droht. Schüttlöffel rennt an gegen Geiz-ist-geil-Mentalität, Schnäppchenjäger ohne Hirn und Gewissen, die Auswüchse von Kapitalismus und Globalisierung. Thomas Freitag schwingt die moralische Keule – moralinsauer ist er dabei aber nicht. Seine Gedankengänge sind zwar oft bitter ernst und böse, ebenso häufig jedoch gepaart mit intelligentem Witz und zum Brüllen komisch.

Die Großen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nimmt sich Freitag fast im Vorbeigehen vor: "Bayern steht auf Platz eins in vielen Bildungsstudien – aber warum merkt man denen das nicht an? Guttenberg, Söder, Matthäus: ein Abschreiber, ein Ätzer, eine hohle Nuss..." Mehr Demokratie mit Twitter und den Piraten? Nichts für Oberbayern mit dicken Daumen, die am iPhone verzweifeln: "Liquid Democracy? Hatten wir schon: Das war der Starkbieranstich." Freitags eigentliches Ziel jedoch sitzt nicht im Kanzleramt und auch nicht im Bankenviertel, es sitzt im Publikum: "Der Mensch selbst ist doch der größte Problembär." Der Kabarettist aus Hessen schlüpft in die Rolle von Karl Marx – mit einem Dreierpack Tennissocken aus China zum Schnäppchenpreis in der Einkaufstüte: "Wir sind alle nicht besser als die Banker. Schmeißt meine Bücher weg, die Ideen sind super, aber sie hauen nicht hin." Die Wünsche der heutigen Jugend seien das beste Beispiel: Job, Heirat und Haus statt Träumen von einer besseren Welt und Aufbegehren gegen die Eltern.

Dabei seien es doch immer die Visionäre und Unangepassten gewesen, die bedeutende Entwicklungen angestoßen hätten: "Etwa die französische Revolution: Was für ein unkonventioneller Gedanke, alle, die dem Volk schaden, an eine Laterne zu hängen. Heute könnte man das natürlich nicht mehr machen. So viele Laternen gibt's gar nicht..."

(ki-)