1. NRW
  2. Städte
  3. Kaarst

Kaarst: Stippvisite in der Geschichte

Kaarst : Stippvisite in der Geschichte

Heute lädt das Stadtarchiv zu einem Blick hinter die Kulissen ein. Es beteiligt sich am deutschlandweiten Tag der Archive und hat dazu ein umfangreiches Angebot erstellt.

Schätze verstecken sich häufig unter der Erde. So hält es auch die Stadt Kaarst, denn sie bewahrt wertvolle Dokumente und Fundstücke zu ihrer Geschichte im Untergeschoss des Rathauses auf. Für den Tag der Archive haben Ina Bolten-Kraft, Iris Norton und Peter Brinkmann emsig recherchiert, dokumentiert und sortiert. Unterstützung erhielten sie vom Arbeitskreis Stadtgeschichte und der Kaarster Feuerwehr.

Der Tag steht dieses Jahr unter dem Motto "Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen". Erdbeben und Stürme hat es in jüngerer Vergangenheit auch in der Region gegeben, die Auswirkungen hielten sich aber in Grenzen. Kriege dagegen haben ihre Spuren hinterlassen. So stellen die Historiker Soldatenlieder und Totenzettel Kaarster Bürger aus dem Zweiten Weltkrieg gegenüber — auf der einen Seite frohlockende Texte, auf der anderen traurige Nachrichten.

Außerdem wurde eine Bunkerliste zusammengestellt. "Häufig wird uns die Frage gestellt, wo diese Schutzräume waren", sagt Archivleiter Peter Brinkmann. Rund 50 Bunker sind bekannt. Auch vorangegangene Kriege werden thematisiert. Der Kupferstich einer Karte beweist, dass der Turm der Aldegundiskirche im Truchsessischen Krieg (1583 bis 1588) zerstört wurde. Beim Dreißigjährigen Krieg wird Reitergeneral Jan van Werth hervorgehoben.

Zum Thema Feuer erinnern sich die meisten an den Brand der Düngemittelfabrik Stodiek am 29. Mai 2000. Dass es in Kaarst auch zu Hochwasser gekommen ist, mag manch einer erst einmal nicht glauben. Das Wasser trat nicht über die Ufer des Nordkanals, sondern ein Witterungsumschwung sorgte in der Nacht vom 10. auf den 11. März 1947 zu einer enormen Schneeschmelze. Ein Zeitungsfoto zeigt, wie Bürger in Booten zwischen den Häusern paddelten.

Zwei weitere Schwerpunkte setzt das Stadtarchiv heute. Im Atrium lädt es zu einem Kaarster Spaziergang durch Raum und Zeit mit Fotos aus allen Stadtteilen ein. In sieben Vitrinen werden die Schenkungen seit dem letzten Tag der Archive vor zwei Jahren gezeigt.

"Damit möchten wir zeigen, dass diese Schätze nicht in Kartons verstauben, sondern dass wir damit arbeiten", sagt Brinkmann. Darunter befinden sich ein Gewehr und Munition, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Kaarster See versenkt wurden. Von der Kolonialwarenhandlung Stamm sind noch einige Artikel wie Cremedosen und eine Schachtel Zigarren erhalten geblieben.

Eine Sammlung von Tuschezeichnungen des Kreisgarteninspektors Hans Adalbert Zippelius aus den 1920er und 1930er Jahren und etwa 100 Anstecker des Winterhilfswerks wurden dem Archiv zuletzt auch geschenkt.

(NGZ)