Kaarst: Steigende Obdachlosenzahlen in Kaarst

Kaarst: Steigende Obdachlosenzahlen in Kaarst

Im Sozialausschuss wurde beleuchtet, wie es zu Wohnungslosigkeit kommt. Die Gründe sind vielfältig.

Jahrelang war die Zahl der Wohnungslosen in Kaarst einstellig. Ende des Jahres musste die Stadt 42 Obdachlose unterbringen, aktuell sind es 38. Im Sozialausschuss wurde jetzt beleuchtet, wie es zu einer Obdachlosigkeit kommt, was der erfolgreichen Suche nach einer neuen Bleibe im Wege steht und was das für Menschen sind, die von ihrem Vermieter vor die Tür gesetzt wurden.

Obdachlosigkeit war früher fast immer männlich. Jetzt sind auch alleinstehende Frauen betroffen - und Familien. Der krasseste Fall: In einer Kaarster Unterkunft lebt eine zehnköpfige Familie auf 50 Quadratmetern. "Bisher ist es uns noch nicht gelungen, für diese Familie eine Wohnung oder ein Haus zu finden", erklärte Frank Schnitker von der Wohnungsnotstelle der Stadt. Er ist immer mit dabei, wenn eine Räumungsklage durchgesetzt wird. Falls die Betroffenen keine Verwandten oder Bekannten haben, bei denen sie vorübergehend Unterschlupf finden, ist es die Aufgabe der Stadt, ihnen ein Dach über dem Kopf zu bieten. Meistens führen ausstehende Mietzahlungen zu einer Räumungsklage. Alle 38 Obdachlosen in städtischen Unterkünften leben von Leistungen des Jobcenters oder von der Grundsicherung, niemand geht einer Arbeit nach. In einigen Fällen waren Alkohol und Drogen der Grund für den Verlust der Wohnung, vereinzelt haperte es auch am Sozialverhalten: Wenn Mieter ständig negativ auffallen und häufig die Polizei gerufen werden muss, ist die Kündigung eine logische Konsequenz. Entsprechend skeptisch seien potenzielle Vermieter, was die Suche nach einer Wohnung nicht gerade erleichtert. Hinzu kommt, dass bezahlbarer Wohnraum in Kaarst knapp ist. Christian Horn (CDU) sieht einen Zusammenhang zwischen einer Gesetzesänderung und der steigenden Zahl der Obdachlosen: "Früher wurde die Miete direkt an den Vermieter überwiesen. Heute bekommt der Hilfeempfänger das Geld und kann es für andere Dinge ausgeben und die Miete dann schuldig bleiben."

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Die Ausschussvorsitzende Anneli Palmen (SPD) bezeichnete die Lage "als dramatisch, besonders dann, wenn Kinder betroffen sind". Sie malte sich aus, wie es für die Kids wohl sein mag, wenn Klassenkameraden von der Obdachlosigkeit erfahren.

Die Obdachlosen werden in Häusern untergebracht, in denen auch Flüchtlinge leben. Frank Schnitker sagte: "Für Flüchtlinge und Obdachlose stehen 858 Plätze zur Verfügung, 632 sind derzeit belegt und somit 226 frei." Bei der Unterbringung von Flüchtlingen sind zwei unterschiedliche Quoten zu erfüllen. Die Quote nach Flüchtlingsaufnahmegesetz ist aktuell mit 21 Personen überstiegen. Nach der Quote nach Wohnsitzauflage könnten noch 208 Menschen hinzukommen. Abzüglich der 21 Flüchtlinge könnten auf die Stadt noch 187 Zuweisungen zukommen - bei 226 freien Plätzen kein Problem. "50 Flüchtlinge sind noch kurz vor Weihnachten gekommen, seitdem hat es keine weiteren Zuweisungen gegeben", sagte Schnitker. Neu eröffnet wurden die Häuser Daimlerstraße 8 in Holzbüttgen, wo derzeit 23 männliche Asylsuchende untergebracht sind und Novesiastraße 27 in Büttgen - dort leben 19 Personen .

(barni)