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Kaarst: Stasi-Ausstellung im Rathaus

Kaarst : Stasi-Ausstellung im Rathaus

Roland Jahn ist Chef der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen. Am Mittwoch wird er in Kaarst eine Ausstellung eröffnen, die vornehmlich die Funktion des Ministeriums für Staatssicherheit in der SED-Diktatur dokumentiert.

Auf der staatlichen Demonstration zum 1. Mai 1977 in Jena trug er statt der typischen Banner mit Pflichtparolen der SED ein leeres weißes Plakat. Genau fünf Jahre später stellte sich Roland Jahn mit einer Doppelmaske als Stalin und Hitler neben die Bezirksleitung der SED. Am 1. September 1982 wurde er verhaftet, weil er an seinem Fahrrad ein Fähnchen angebracht hatte, das den Schriftzug der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc trug. Heute ist Jahn Chef der der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen. Morgen Abend um 18 Uhr wird er gemeinsam mit Bürgermeister Franz-Josef Moormann in der Galerie des Kaarster Rathauses die Wanderausstellung "Feind ist, wer anders denkt" eröffnen. Alle Kaarster Bürger sind dazu eingeladen.

"Schild und Schwert der Partei"

Die Ausstellung wurde 2008 in Hamburg zum Tag der Deutschen Einheit erstmals präsentiert und wird nach vielen Stationen im In- und Ausland jetzt in Kaarst gezeigt. "Feind ist, wer anders denkt" dokumentiert die Entstehung, Aufgaben und Methoden des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). An exemplarisch ausgewählten Daten und Ereignissen der DDR-Geschichte wird erläutert, wie das MfS als "Schild und Schwert der Partei" die Macht der Staatspartei SED sicherte: durch Überwachung der eigenen Bevölkerung, Repressionsmaßnahmen und den Einsatz von Spitzeln, den inoffiziellen Mitarbeitern (IM).

Die Ausstellung zeigt insbesondere auch das Schicksal der Menschen, die in das Visier der Staatssicherheit geraten sind. Referentin Uta Leichsenring, Leiterin der Außenstelle Halle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, sucht für ihre Vortrags- und Diskussionsveranstaltung "Entschlüsselte Macht" am 16. Mai, 18 Uhr, in der Rathausgalerie noch Beispiele.

In Kaarst hat es bislang 280 Anträge auf persönliche Akteneinsicht beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen gegeben. Die Veranstaltung bietet denjenigen, die es wollen, die Gelegenheit, über eigene Erfahrungen damals und heute zu sprechen. Wer seine Akte oder Ausschnitte daraus — auch anonymisiert — zur Verfügung stellen will, kann das an diesem Abend tun. Wer Interesse hat, wird gebeten, vorher Elise Catrain in der Außenstelle Halle unter Tel. 0345 61412783 zu kontaktieren.

(NGZ)