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Kaarst: Stadt zählt und kontrolliert ihre Bäume

Kaarst : Stadt zählt und kontrolliert ihre Bäume

Die Stadt Kaarst erfasst in einem Kataster erstmals alle Bäume im öffentlichen Raum. Die NGZ war mit dem "Baum-TÜV" unterwegs.

Danny Hüskes kennt bald jeden Baum persönlich. Für jeden einzelnen nimmt sich der Meister für Garten- und Landschaftsbau vom städtischen Baubetriebshof zehn bis 15 Minuten Zeit. Beim Herangehen nimmt er Stamm und Krone in Augenschein, aus der Nähe untersucht er ihn auf Faulungen, Pilzbefall, Totholz und Wuchsanomalien. Mit einem Hammer klopft er den Stamm nach Hohlräumen ab. All seine Erkenntnisse gibt er in einen Tablet-PC ein.

Die Stadt Kaarst erfasst in einem Kataster erstmals die Bäume im öffentlichen Raum. Heinz-Gerd Berns erklärt, warum: "Die Stadt unterliegt einer Verkehrssicherungspflicht, weswegen wir den Baumbestand überwachen müssen. Neben dem allgemeinen Interesse, den Gesamtbestand einmal zentral zu erfassen, besitzen wir damit nun auch belegbare Zahlen, mit denen wir die Kosten für Pflegemaßnahmen besser begründen können".

Wie viele Bäume auf städtischem Grund und Boden wachsen, konnte bisher niemand genau sagen. Allein in Büttgen sollen es rund 1000 sein. Dort hat Danny Hüskes auch mit seiner Arbeit begonnen. Als Einzelkämpfer kontrolliert er alle Bäume am Straßenrand. Mit dem Zusatzzertifikat als Baumkontrolleur besitzt der Garten- und Landschaftsbaumeister alle wichtigen Kenntnisse für die Aufgabe. Die Erfassung der Bäume in den Parkanlagen, auf Friedhöfen und Spielplätzen hat die Stadt Kaarst an eine Fremdfirma vergeben. Die Wälder sind aufgrund einer anderen Gesetzeslage vom Baumkataster ausgeschlossen, private Grundstücke ebenso. Dort liegt die Verantwortung allein beim Eigentümer.

Eine entsprechende Liegenschaftskarte konnte mit Hilfe des bestehenden Straßenkatasters digital angelegt werden. Luftaufnahmen halfen bei der weiteren Aufbereitung, so dass Danny Hüskes nun auf jeden einzelnen Standort eines Baums auf seinem Tablet-PC klicken kann. Es öffnet sich ein Fenster mit vielen Informationen, beginnend beim Alter. "Das wissen wir entweder anhand der Entstehungszeit der Straße, ansonsten wird es durch den Umfang des Stamms und der Krone geschätzt", erklärt Hüskes.

Zollstock und Maßband gehören deshalb zu seiner Standardausrüstung. Die Bäume entlang der Vom-Stein-Straße etwa, die er in den vergangenen Tagen besichtigte, sind über 60 Jahre alt. Neben Informationen zur allgemeinen Beschaffenheit protokolliert er auch Schäden. "Entdecke ich zum Beispiel Totholz, kann ich noch am gleichen Tag vom Computer aus einen Auftrag an unsere Pflegekolonne herausschicken", sagt Hüskes. Ansonsten belässt er es bei der Festlegung des nächsten Kontrolltermins. Die Intervalle variieren zwischen einem halben Jahr und drei Jahren.

(stef)