Kaarst: Stadt soll den Stromkonverter ablehnen

Kaarst: Stadt soll den Stromkonverter ablehnen

Die Kaarster Politiker diskutierten im Rat über die möglichen Standorte eines Stromkonverters auf Stadtgebiet. Das Fünfer-Bündnis und die CDU hatten dazu je einen Antrag formuliert. Die Mehrheit votierte für den Vorschlag der Union.

Drei Standorte für einen Konverter zieht der Stromnetzbetreiber Amprion auf Kaarster Stadtgebiet in Betracht, zwei davon stehen in engerer Wahl unter den "Top 6". Der Dringlichkeit halber wurde das Thema auf die Tagesordnung des Stadtrats genommen, um noch vor der Sommerpause eine Stellungnahme abzugeben. Sowohl das neue Fünfer-Bündnis sowie die CDU und die Piratenpartei reichten eigene Anträge ein. Wie knapp die Mehrheitsverhältnisse bemessen sind und wie es sich auswirkt, wenn das Bündnis aus SPD, Grüne, FDP, Zentrum und UWG in einer Sitzung personell nicht vollzählig ist, zeigte das Beratungsergebnis.

Zum Hintergrund: Amprion sucht für eine geplante Gleichstromverbindung (Ultranet) zwischen den Netzverknüpfungspunkten in Meerbusch-Osterath und Philippsburg in Baden-Württemberg einen Standort für eine nördliche Konverterstation. Die Anlage dient der Umwandlung von Gleich- in Wechselstrom (und umgekehrt). Ein favorisierter Standort in Osterath wurde durch den Protest der Anwohner und der Stadt Meerbusch zunächst zurückgestellt. In einem anschließenden Verfahren wurden 19 potenzielle Standorte ermittelt und nach Eignungsstufen gruppiert. Auf Kaarster Stadtgebiet handelt es sich dabei um eine Fläche nördlich der Autobahn A52 sowie südöstlich zwischen Büttgen und Bauerbahn. Eine dritte Fläche befindet sich ebenfalls im Norden an der L 30 in Richtung Büderich zwischen A57 und Eisenbahnstrecke. Darauf, so erklärte Bürgermeister Franz-Josef Moormann im Rat, liege aber ein Privileg für Auskiesungen. Bis Ende des Jahres will Amprion einen Vorzugstandort benennen.

In ihrem gemeinsamen Antrag bezeichnete das Fünfer-Bündnis das Gebiet der Stadt Kaarst als ungeeignet. "Wir müssen alle Auswahlkriterien besonders kritisch hinterfragen", sagte Christian Gaumitz. Das Thema sei sehr komplex und man müsse sich ernsthaft mit den Argumenten auseinandersetzen. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende verwies dabei auf unterschiedliche Informationen über die Größenordnung des Konverters. Das Bündnis forderte die Verwaltung auf, sich für ein transparentes und für die Öffentlichkeit nachvollziehbares Verfahren mit frühzeitigen Bürgerinformationsveranstaltungen einzusetzen. "Aber gegen alles darf man von vorneherein nicht sein", sagte Gaumitz. Die CDU hingegen bezog eine ablehnende Haltung. "Wenn wir auf die Karte schauen, stellen wir fest, dass das Stadtgebiet in keinster Weise geeignet ist", sagte Fraktions-Chef Lars Christoph. Die außerhalb des Siedlungsbereichs gelegenen Freiflächen seien unverzichtbar für die Landwirtschaft und die Naherholung der Bürger.

Ihm pflichteten die Einzelratsmitglieder Markus Wetzler (Piraten) und Christof Rausch (AfD) bei, die für den CDU-Antrag stimmten und mit der zusätzlichen Bürgermeister-Stimme für eine 25:24-Mehrheit sorgten. Die Verwaltung wird eine ablehnende Stellungnahme zum Bau eines Konverters an die zuständigen Behörden formulieren.

(NGZ)
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