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Kaarst: Stadt: Liebesschlösser sind gefährlich

Kaarst : Stadt: Liebesschlösser sind gefährlich

Gerade mal mehr als ein Dutzend Schlösser haben Verliebte an dem aus Stahlseilen bestehenden Geländer der Stadtpark-Brücke befestigt. Die Verwaltung befürchtet ein zu hohes Gewicht und will sie entfernen.

Kati und Mirko, Jule und Felipe, Meike und René. Sie alle haben ein "Liebesschloss" zum Beweis dafür, dass sie zusammengehören — "für immer", " 4ever", "per sempre". Sie sind bemalt, beklebt, mit Herzen und Schleifen verziert, die Namen und Jahreszahlen eingraviert oder mit wasserfestem Stift notiert. Paare befestigen sie weltweit an Brückengeländern: an der Hohenzollernbrücke in Köln zum Beispiel, der Loschwitzer Brücke in Dresden, der Thalkirchnerbrücke in München. Liebesschlösser hängen in Paris, in St. Petersburg, in Kaliningrad, Riga und Moskau. Touristen haben den Brauch sogar bis nach China gebracht. Die Schlüssel werfen die Liebenden ins Wasser. Niemand soll die Schlösser je wieder öffnen, sie sollen ewig halten — wie die Liebe ihrer Eigentümer. In Kaarst allerdings haben sie die Rechnung ohne die Stadt gemacht. Die rückt nämlich demnächst mit Bolzenschneidern an.

Wann genau die ersten eisernen Liebesbeweise am Geländer der Brücke, die hinter dem Rathaus über den See im Stadtpark führt, angebracht wurden, ist nicht bekannt. Mittlerweile sind es gerade mal mehr als ein Dutzend Paare, die sich dort auf diese Weise verewigt haben. Sicher ist, dass die Situation vom Grünflächenamt beobachtet wird. Weil die Liebe für die Brücken-Konstruktion aus gedrehten Stahlseilen zu schwerwiegend scheint, werden die Schlösser in den kommenden Wochen abmontiert.

"Das Problem", sagt Stadtsprecherin Sigrid Hecker, "ist die Sicherheit. Noch hingen bloß vereinzelte Schlösser an dem Kaarster Geländer. Doch erfahrungsgemäß würden aus wenigen innerhalb kürzester Zeit mehr. Dem will die Verwaltung entgegenwirken. "Die Stahlseile", sagt Hecker, "halten nämlich nur ein bestimmtes Gewicht aus, sonst hängen sie durch und der Abstand zwischen den Streben verändert sich. Für Kinder kann das schnell gefährlich werden." Da gehe die Sicherheit allemal vor.

Also: Was darf die Liebe und was darf die Stadt? "Als Eigentümerin einer Brücke kann die Kommune von ihren Abwehrrechten Gebrauch machen", sagt die Justiz. Schlösser seien wie Graffiti. Doch inwiefern stellen Liebesschlösser eine Verschandelung dar? Das zu beurteilen, liegt im Ermessen. Eine Stadt darf die Schlösser aufbrechen, muss es aber nicht. Keiner kann sie zwingen. Ob sie es tut, gibt Aufschluss über ihr Verhältnis zur Romantik. Köln, Hamburg und Stuttgart haben ein Herz für Schlösser. Dort werden sie geduldet, in kaarst nicht.

(NGZ/ac/EW)