Kaarst: Stadt kritisiert Inklusionspläne des Landes

Kaarst : Stadt kritisiert Inklusionspläne des Landes

Voraussichtlich ab dem Schuljahr 2014/2015 will die Landesregierung einen Rechtsanspruch für behinderte Kinder auf einen Platz in einer Regelschule durchsetzen. Die Kommunen fürchten, auf den Kosten sitzenzubleiben.

Eines ist klar: Schüler werden in Kaarst in Zukunft anders lernen, und das liegt nicht nur an der geplanten Gesamtschulgründung. Nach dem Willen der UN-Behindertenkonvention von 2006 sollen künftig alle Kinder gemeinsam zur Schule gehen dürfen: gesunde und behinderte, begabte und entwicklungsverzögerte, lernschwache und verhaltensauffällige. Eigentlich sollte der NRW-Landtag deshalb im kommenden Frühjahr eine Änderung des Schulgesetzes beschließen. Danach hätte die Inklusion — wie das gemeinsame Lernen im Fachjargon heißt — ab dem Schuljahr 2013/2014 schrittweise eingeführt werden sollen. Die Landesregierung wollte zunächst allen Kindern mit Behinderung, die in die 1. oder 5. Klasse kommen, einen inklusiven Platz in einer Regelschule garantieren. Kurz vor Weihnachten wurde dann bekannt, dass die Inklusion wohl doch erst ab dem Schuljahr 2014/2015 starten kann. Grund sind Proteste von Eltern und Lehrern sowie der Streit mit den Kommunen um die Kosten für nötige Umbauten.

Lehrerverbände hatten beklagt, die Schulen seien nicht vorbereitet auf die Inklusion, und es fehlten massenweise ausgebildete Sonderpädagogen. Die Städte wiederum fürchten, auf den Kosten sitzenzubleiben. So auch Kaarst. Grundsätzlich sei die Stadt bemüht, den Inklusionsgedanken in den Schulen im Rahmen ihrer Möglichkeiten umzusetzen, heißt es. Aber — "wir schließen uns der allgemeinen Bemerkung der Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände NRW an, dass die Kommunen die finanziellen Herausforderungen alleine nicht bewältigen können." So steht es in einer Stellungnahme der Verwaltung auf eine Anfrage der Grünen im Schulausschuss. Und weiter: Würden die Planungen der Landesregierung wie bislang im Gespräch durchgesetzt, drohe ein Scheitern der Inklusion.

Im Kaarster Schulbetrieb ist das gemeinsame Lernen indes schon ein Stück weit angekommen. An der Astrid-Lindgren-Schule etwa wird seit Jahren der "Gemeinsame Unterricht" angeboten. Schüler mit und ohne Behinderungen werden dort gemeinsam im Klassenverbund unterrichtet. Und seit dem Schuljahr 2011/2012 ist an der Gemeinschaftshauptschule Kaarst-Büttgen eine "Integrative Lerngruppe" eingerichtet. An der Martinusschule gibt es eine Stelle "Beratung und Begleitung", mit deren Hilfe bereits vor der Einschulung versucht wird, eine möglichst umfassende Förderung umzusetzen, um damit den Besuch in einer Regelschule zu ermöglichen. Mit allen Kindergärten der Verbandskommunen Kaarst und Korschenbroich sind dazu Kooperationsverträge abgeschlossen worden. Und: Im Antrag auf die Errichtung der Städtischen Gesamtschule Kaarst-Büttgen ist die Einrichtung von zwei "Integrativen Lerngruppen" vorgesehen.

(NGZ)
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