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Kaarst: SPD legt Wohnraum-Konzept vor

Kaarst : SPD legt Wohnraum-Konzept vor

Die Sozialdemokraten beklagen zu wenig öffentlich geförderten Mietwohnungen in Kaarst. Das soll sich ändern.

Wenn es nach der SPD geht, braucht Kaarst davon mehr: Das Neubaugebiet Hubertusstraße ist für die Stadt nicht nur ein Erfolgs-, sondern auch ein Zukunftsprojekt. Dort, wo vor knapp drei Jahren der Blick noch über rund drei Hektar unberührten Büttgener Boden glitt, errichtet die Gemeinnützige Wohnungs-Genossenschaft Neuss derzeit im ersten Schritt vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 53 Mietwohnungen an der Klarissenstraße.

Foto: Berns, Lothar (lber)

Über die soziale Wohnraumförderung des Landes NRW werden dort 20 Seniorenwohnungen finanziert. Zu wenig? Die Sozialdemokraten sagen, die CDU-geführte Stadt habe den sozialen Wohnungsbau in der Vergangenheit sträflich vernachlässigt. In Kaarst sei es für Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen immer schwieriger geworden, geeigneten Wohnraum zu finden.

Deshalb hat die SPD jetzt einen Entwurf für ein Programm mit zehn wohnungsbaupolitischen Zielen und entsprechenden politischen Forderungen vorgelegt. Im ersten Quartal dieses Jahres wolle man dieses zur Diskussion stellen und mit Mietern, Eigentümern, Vermietern und der Wohnungswirtschaft besprechen, sagt SPD-Fraktionschefin Elke Beyer. "Anschließend wird die SPD ihre Forderungen im Rat einbringen und für Mehrheiten werben."

Tatsache ist: Die Entwicklung des Wohnungsmarktes ist für Verwaltung und Politik ein entscheidender Faktor, wenn es um die Planung der nächsten 20 bis 30 Jahre geht. Wie sich eine Kommune entwickelt, ob sie veraltet und schrumpft oder sich verjüngt und wächst, hängt entscheidend von der Frage ab, ob, wo und wie es sich in einer Stadt wie Kaarst alters-, anspruchs- und einkommensgerecht leben lässt. Werner Kindsmüller, Leiter des parteiinternen Arbeitskreises "Bezahlbarer Wohnraum", hat die Daten für das SPD-Konzept zusammengetragen. "Es ist die Gemengelage, die in Kaarst problematisch ist", sagt er.

Zum einen: die Mieten. "Die", sagt Kindsmüller, "werden in Kaarst immer teurer." Weil die Stadt über keinen offiziellen Mietspiegel verfüge, lägen nur Zahlen vor, die sich auf die am Wohnungsmarkt angebotenen und nachgefragten Mietwohnungen bezögen. "Aber auch der LEG-Wohnungsmarktreport belegt, dass die Mieten in Kaarst mit 7,11 Euro pro Quadratmeter und Monat über dem Schnitt im Rhein-Kreis und deutlich über dem Durchschnitt in NRW liegen. Bei einer Wohnungsgröße von 77 Quadratmetern belaufen sich die Kosten für die Warmmiete auf durchschnittlich 774 Euro monatlich."

Zum anderen: die Zahl der Sozialwohnungen. "Mit einem Anteil von 4,1 Prozent an allen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern liegt der Anteil der öffentlich geförderten Mietwohnungen in Kaarst so niedrig wie nur in wenigen Städten in NRW", so Kindsmüller. "Kaarst verfügt nur über 372 Wohnungen im sozialen Mietwohnungsbau, für die zurzeit noch Preisbindung besteht." In den letzten drei Jahren habe der Bestand um 13,6 Prozent abgenommen. Hinzu kämen: wenig altengerechte Wohnungen, eine negative Einkommensentwicklung, sinkende Renten, steigende Energiekosten. "Das alles zusammengenommen ist soziales Dynamit für Kaarst."

(NGZ/rl)