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Kaarst: SPD-Chef lebt den Ramadan

Kaarst : SPD-Chef lebt den Ramadan

Kocay Ekici, Vorsitzender der Kaarster SPD, ist gläubiger Muslim. In der NGZ spricht er über den Ramadan – wie er es schafft, tagsüber weder zu essen noch zu trinken, über den gesundheitlichen und den sozialen Aspekt.

Kocay Ekici, Vorsitzender der Kaarster SPD, ist gläubiger Muslim. In der NGZ spricht er über den Ramadan — wie er es schafft, tagsüber weder zu essen noch zu trinken, über den gesundheitlichen und den sozialen Aspekt.

Ein belegtes Brötchen und die Tasse Kaffee zum zweiten Frühstück lehnt Kocay Ekici, Unternehmensberater und Vorsitzender der Kaarster SPD, zurzeit dankend ab. Der gläubige Muslim lebt im Ramadan, dem islamischen Fastenmonat. Das heißt: Tagsüber darf er weder essen noch trinken. Eine Herausforderung?

Die ersten drei, vier Tage seien schwierig, aber dann gewöhne er sich an die Situation, sagt Ekici. "Schließlich ist abends der Hunger gar nicht mehr so groß." Die Essenszeiten richten sich nach Sonnenaufgang und Sonnenuntergang in Mekka.

Mit der Zeitverschiebung wird in diesen Tagen immer zwischen etwa 4.30 und 21.30 Uhr gefastet. Morgens, zum vorgezogenen Frühstück ("Sahur"), gibt es neben Oliven und Honig, Schafskäse und Rindersalami während des Ramadans meist noch gefüllte Teigrollen und Weinblätter, Hackfleischbällchen oder Börek. Das Abendessen ("Iftar") wird zu einem kulinarischen Treffen mit Familie und Freunden. "Entweder lädt man ein oder wird eingeladen. Man isst sehr lange, sitzt zusammen und unterhält sich", erzählt Ekici.

Serviert wird ein Mehrgänge-Menü mit Suppe zu Beginn und einer Zwischenmahlzeit aus Gemüse. Zum Hauptgang wird etwas Deftiges wie Gegrilltes oder Gulasch zubereitet. Was nie fehlen darf, sind die Dattel ("Hurma") als typische Frucht aus Mekka und der türkische Tee. Nach dem Dessert beendet das Fastengebet "Theravi" den Tag. Der Ramadan dauert 30 Tage und begann dieses Jahr am 20. Juli. Weil der islamische Kalender zehn Tage kürzer ist als der weltweit verbreitete gregorianische, verschiebt sich der Fastenmonat jedes Jahr.

Dass frühes Aufstehen, zu später Stunde essen und tagsüber nichts trinken medizinisch bedenklich sind, weiß auch Ekici. Viele legen sich nach dem Frühstück oder mittags noch einmal zum Schlafen hin. Der Islam lässt aber genügend Ausnahmen zu, für Kranke, Schwangere und Kinder ist er nicht verpflichtend, freigestellt sind auch schwer Arbeitenden oder wem die Traditionspflege auf Reisen nicht möglich ist. "Der Ramadan reduziert sich nicht allein auf das Nicht-Essen", so der 36-Jährige. "Das große Thema ist die Dankbarkeit. Soziale Aspekte wie Loslassen, Miteinander und Nächstenliebe stehen im Vordergrund."

Die Spendenfreudigkeit im Ramadan ist unter den Muslimen besonders groß. Nach den 30 Tagen, wenn "Ramazan Bayrami", das Fest des Fastenbrechens, gefeiert wird, fühlt sich Ekici innerlich gereinigt. "Ich bin körperlich und geistig heruntergefahren, total entspannt und vorbereitet auf alles Kommende", sagt er.

(stef)